Druckschrift 
2. Die christliche Zeit 2 (1856) Viertehalb Jahrhunderte
Entstehung
Seite
699
Einzelbild herunterladen
 

und der schwedisch-polnische Krieg.

699

der Verarmung und der Verwilderung. Deutschland stieg von der her-vorragenden Stelle, die es eingenommen, herab, und mußte schon in> dem Frieden, nach dem es sich so lange gesehnt, auswärtige Mächte beider Feststellung seiner Verhältnisse Mitwirken lassen und sie dazu nochfür gemachten Aufwand entschädigen. Die beiden Parteien aber, umderentwillen der Krieg geführt worden, hatten sich mit Strömen Bluteseine Regelung der beiderseitigen Besitz- und Rechtsverhältnisse erkauft,durch welche fernerem gewaltsamen Vordringen und Znrückdrängen einZiel gesetzt wurde.

2. Der Krieg ervffnete sich mit einer Empörung in Prag, die sichüber Böhmen verbreitete, Oestreich ergriff, an dem Kurfürsten von der Pfalzein Haupt fand, und die Liga unter die Waffen rief. In Böhmen fehltees nicht an Aufregung, seit die Persönlichkeit von Matthias' erwähltemNachfolger die Katholiken mit Muth und die Protestanten mit Besorgnißerfüllt hatte. Da Matthias kinderlos war, arbeitete er in Verbindungmit seinen Brüdern Albrccht, dem niederländischen Regenten, und Mari-k milian, dem Hochmeister des deutschen Ordens, darauf hin, der steier-märkischen Linie des Hauses die Nachfolge zu sichern. Erzherzog Fer-dinand hatte schon in seinen Herzogthümern sich so entschieden dem Fort-gange der Bewegung widersetzt, daß von ihm, wenn er in der Herrschaftder übrigen habsburgischen Lande und auf dem Kaiserthrone folgte, einganz anderes als das von den drei letzten Kaisern beobachtete Verfah-ren zu erwarten stand. Nur mit Mühe war in Böhmen, wo man mitder Sicherung seiner Nachfolge den Anfang machte, seine Wahl gelungen.Noch che Matthias gestorben war, entschied die Gesinnung des Nach-folgers die Regierungsweise. Schon seit dem Jahre 1611 war Streitüber den Bau von zwei protestantischen Kirchen zu Klostergrab undzu Braunau. Der Majestätsbrief gab seinem Wortlaute nach zu Errich-tung derselben keine Berechtigung, da die Herren der fraglichen Gebiete,der Erzbischof von Prag und der Abt von Braunau, nicht einwilligten,und die urkundlich gewährte Freiheit sich nur auf unmittelbar königlichesGebiet bezog. Sowohl Rudolph H. als Matthias hatte gegen die Er-bauer der Kirchen entschieden. Als nichtsdestoweniger der Bau fort-gesetzt worden war, ließ im Jahre 1618 die eine der Erzbischof vonPrag niederreißen, und wegen Schließung der andern kam es zu einemAufstande. Die Sache wurde dem Kaiser vorgelegt, und die protestan-tische Partei der böhmischen Stände versammelte sich zu Prag. Alsvon Wien ein die unzufriedene Partei zurechtweisender Bescheid einge-gangen war, wurden die in Prag Versammelten aufgebracht, eineAnzahl von ihnen, worunter der durch Entziehung eines Amtes erbitterte^ Graf Thurn, begab sich am 23. Mai auf das Schloß, und nach einerheftigen Verhandlung mit den dort anwesenden Mitgliedern der Statt-

1