ßzg Die Kirchcntrennmig in England, im Norde» und in Polen.
Königen streitig wachte. Auch seit die Türken unter Suleiinan II. dieHerrschaft über jene beiden walachischen Staaten gewonnen hatten, be-saß Polen noch eine große Ansdehnung. Doch hatte es an den Türken,Tartaren und Russen so lästige Feinde, daß eö keiner großen Kraft-entwicklung fähig wurde. Selbst während der glücklichen Kriege mitdem deutschen Orden hatte es durch innere Veränderungen, zu deneneben dieser Krieg beitrug, an Kraft eingebüßt. Dadurch, daß der AdelBehufs der für den Krieg zu leistenden Hülfe häufiger hatte versammeltwerden müssen, war der König von demselben abhängiger gewordenund, da die häufigen Versammlungen bei dem Adel das Bedürfnis, einerVertretung hervorgerufen, hatte sich die Einrichtung gebildet, daß der-selbe in Bezirksversammlungen Abgeordnete wählte, welche unter demNamen von Landboten zu den Reichstagen gingen, um Steuern zu be-willigen oder zu verweigern und dem Könige in Angelegenheiten derNegierung zu rathen. So erhielt diejenige Gewalt, welche dem Königebeschränkend gegenüberstand, durch festere Einrichtung eine zusammen-hängendere und ausgedehntere Wirksamkeit. Die drei jüngeren Brüderdes böhmisch-ungarischen Königs Ladislaus, welche nacheinander (1492bis 1548) Polen regierten, Johann Albrecht, Alexander und Sigis-mund I., hatten neben den äußeren Feinden auch den Widerstand desauf Erhaltung und Erweiterung seiner Befugnisse bedachten Adels zubekämpfen. Unter Sigismund fand nun auch die GlaubcnsneucrungEingang, indem einerseits von Böhmen aus die sogenannten böhmischenBrüder, die Nachkommen der nicht zur Kirche zurückgekehrten Husfiten,ihr den Weg bahnten, und anderseits in dem polnischen Preußen dasUebergewicht der deutschen Bevölkerung und das Beispiel der in Ost-preußen vorgegangenen Veränderung dein Lutherthum festen Fuß zufassen erlaubte. Dazu kamen noch reformirtc Gemeinden, deren sichnamentlich in Litthauen viele bildete». Sowohl Sigismund als seinSohn Sigismund August (1548—1572) leisteten dem Eindringen derNeuerung entschiedenen Widerstand. Einen großen Anthcil daran hatteder Cardinal Hosius, Bischof von Culm und nachher von Ermland, dermit unermüdlicher Thätigkeit an Erhaltung und Wiederherstellung derKirche arbeitete, wie er später auch eines der bedeutendsten Mitgliederdes Concils von Trient war und zur Befestigung der katholischen Lehrein Polen noch die Hülfe des Jesuitenordens gewann. Einen Anhaltfanden die verschiedenen protestantischen Sekten au dem zur Auflehnunggeneigten Adel, der durch Anschluß an die Neuerung einen Boden zugewinnen glaubte, auf welchem der Widerstand gegen die königlicheGewalt eine höhere Berechtigung zu erhalten schien. Als mit Sigis-mund August der Stamm Jagello's ausstarb, benutzte der Adel die Ge-legenheit, Polen in ein Wahlreich zu verwandeln, und da der nach