Kaiser Karl V. und die Kirchentrcnnung in Deutschland.
fortschreitet. Doch empfand die Kirche sehr bald die heilsamen Wirkun-gen, die von Trient ausgingen, und wenn das Concil Reformatoren,wie es der heilige Karl Borromäus für das Erzbisthum Mailand undüber dessen Grenzen hinaus geworden ist, erweckt hat, so hat es dadurchauch Dämme gegen den ferneren Andrang der außerhalb der Kircheerregten Fluthen gesetzt.
19. Hierbei kam der Kirche ein neu entstandener Orden zu Hülfe,der stch die Gesellschaft Jesu oder die Jesuiten nannte. Ein spanischerAdeliger, aus der Landschaft Guipuzcoa im alten Baskcnlande, IgnatiusLoyola, war im Jahre 1521, als die Franzosen in Navarra eingefallen,bei Vertheidigung der Hauptstadt Pamplona verwundet worden, undhatte während der Zeit seiner Heilung unter dem Lesen von Schriftenüber das Leben Christi und der Heiligen stch zu dem Entschlüsse Hinge-trieben gefühlt, sein ferneres Leben einem geistlichen Nitterthume zu wid-men. Hergestellt legte er deshalb ein Gelübde in der Kirche zu Mont-serrat, unweit Barcelona, ab, bereitete sich in dem benachbarten Manresadurch ascetische Hebungen, besonders durch Krankenpflege, für sein Unter-nehmen vor, und begann dasselbe mit einer Pilgerreise nach Jerusalem,wo er an der Bekehrung der Ungläubigen arbeiten wollte. Da erjedoch hieran gehindert wurde, kehrte er zurück, unternahm wissenschaft-liche Studien in Barcelona, und setzte dieselben fort zu Alcala de He-nares und zu Paris. Zu Paris bildete sich der Plan, einen Orden zustiften, bei ihm aus, und mit sieben Genossen, die sich zu ihm gefundenhatten, legte er das Gelübde ab, unter Ausgebung alles Eigcnthums zuBekehrung der Ungläubigen nach dem heiligen Lande zu reisen, und imFalle sie verhindert würden, sich dem Papste für den Dienst der Kirchezur Verfügung zu stellen. Als sie auf der Reise nach dem Morgenlandeim Jahre 1537 in Venedig angekommen waren, fanden sie wegen eineszwischen Venedig und den Türken ausgebrochenen Krieges die Ausfüh-rung ihres Vorhabens unthunlich, beschäftigten sich, um eine günstigereZeit abzuwarten, daselbst mit Predigt und Krankenpflege, gingen aberim Jahre 1539 nach Rom und legten den Plan zu ihrem Orden demPapste Paul III. vor, der ihn im Jahre 1540 genehmigte. Durch dieStrenge ihrer Grundsätze, durch die Vortrefflichkeit der Verfassung,welche die Befolgung dieser Grundsätze sicherte, durch die Verpflichtungunbedingten Gehorsams gegen den Papst, durch Uebernahme der Aufgabe,durch Predigt und Unterricht Seelen für das Christenthum zu gewinnenund das Wachsthum der Seelen in christlichem Glauben und Leben zufördern, wurde der neue Orden, der sich bald erweiterte, eines der tüch-tigsten Werkzeuge der Kirche. Der Geist, der ihn erfüllte, wies ihmseine Stelle gegenüber den Gefahren an, welche damals gegen die Kircheandrängten. War durch die Entstehung des Protestantismus der Grund-