604 Kaiser Karl V. und die Kirchcntrcnnung in Deutschland.
beendigt war, wurde dem Landgrafen Philipp von Hessen durch denVertrag von Kadan die Mitwirkung zur Unterdrückung dieses alle Grund-lagen der menschlichen Gesellschaft untergrabenden Unwesens anferlegt.Der Bischof kam im Jahre 1535 in Besitz seiner Stadt, ließ die Rädelsführerhinrichten und konnte nun dem Protestantismus den bereits daselbst vonihm gewonnenen Boden ganz entziehen. Daß aber die Ruhe nichtallein durch solche ziellose Unternehmungen, die aller staatlichen Ord-nung feind waren, sondern auch durch die von der protestantischen Parteieingenommene Stellung gefährdet sei, hatte schon die würtembcrgische lFehde gelehrt. Derselbe Geist, der sie herbeigeführt, bewirkte im Jahre i
1542 eine ähnliche Erscheinung im Norden Deutschlands. Herzog Hein- !
rich von Brauuschweig war in Zwist mit der Stadt Braunschweig, weilsie, da sich in ihr der Protestantismus eingebürgert, gegen seinen Willenzum Schmalkaldner Bunde getreten war. Da überfielen ihn die Ge-nossen des Bundes, versagten ihn aus dem Lande, führten mit gewaff-netcr Hand den Protestantismus in demselben ein und versagten einemdagegen ergangenen Spruche des Kammcrgcrichts die Anerkennung, waseiner Lossagung vom Reiche glcichkam.
14. Während die Dinge in Deutschland seit dem Augsburger Reichs-tage einen solchen Verlauf genommen, hatte der Kaiser außerhalb Deutsch-lands eine Reihe neuer Kriege geführt, nach deren Beendigung er erstdaran denken konnte, in die deutschen Angelegenheiten unmittelbar ein-zugreifen. Zunächst hatten ihn die Verhältnisse Spaniens in einenKampf mit den Ungläubigen in Afrika verwickelt. Seitdem XimcnezOran erobert, war die Nordküstc Afrika's bis nach Tunis hin unter derschwachen Herrschaft der Zianiden und der Nachkommen von Abu Hasstdem spanischen Reiche zinsbar geworden. Der Herrschaft der Zianidenbrachten aber um das Jahr 1515 aus dem Osten gekommene Seeräubereine Beschränkung. Die Brüder Horuk und Chaircddin, genannt Bar-barossa, aus Lesbos, hatten erst im Kleinen, dann im Großen Seeräu-berei im Mittelmeerc getrieben, und waren, da ihre Angriffe meist denKüsten Italiens galten, von dem Sultan zu Constautinopel begünstigtworden. Algier, schon lange von dem in Tlemsan wohnenden Herrscherder Zianiden unabhängig, hatte, des spanischen Tributs müde, den Horuk ^zur Niederlassung eingeladcn. Hieraus entspann sich ein Krieg zwischenHoruk und dem Zianiden, in welchem der letztere von Spanien ausunterstützt wurde. Im Jahre 1518 fiel Horuk bei der von den Spa-niern zu Gunsten des vertriebenen Zianiden bewerkstelligten Einnahme >von Tlemsan. Doch der Bruder und Nachfolger des wiedereingesetztenHerrschers ließ sich durch Horuks Bruder und Nachfolger Chaircddinbewegen, sich dem Sultan Suleiman zu unterwerfen, wodurch er in Ab-hängigkeit von dem durch den Sultan zum Fürsten oder Dep von Algier