Kaiser Karl V. und die Kirchentrcnnung in Deutschland. kyz
jetzt noch bei dem Neichskammergericht über Neligionssachen schwebendenNcchtsstrcitigkcitcn nachgebcn. Hier wurde ihm zugleich noch Anderesabgedrungen. Der Landgraf Philipp hatte kurz vorher, von KönigFranz durch Geld unterstützt, ein Heer gerüstet und mit Gewalt denvertriebenen Herzog Ulrich, der zum Protestantismus übergctreten war,in sein Land wieder eingesetzt, was um so leichter gelungen war, alsder schwäbische Bund sich im Jahre vorher aufgelöst hatte. DieserGewaltthat mußte Ferdinand, der noch auf dem Reichstag zu Augsburg> die förmliche Belehnung mit Würtembcrg empfangen hatte, seine Be-
s- stäiigung ertheilcn. Wie der Protestantismus nun einen Stützpunkt im
Süden Deutschlands gefunden, breitete er sich auch im Norden aus,wo er im Jahre 1539 Brandenburg durch Joachims I. Sohn Joachim II.und das Herzogtum Georgs durch dessen Bruder Heinrich gewann.Unter solchen Umständen erhielt das Schmalkaldner Bündniß immermehr Kraft. In dasselbe waren auch die vier der Zwinglischcn Lehreanhängenden Reichsstädte in Oberdeutschland aufgenommen worden, undum die Verbindung fester zu knüpfen, wurde in der sogenannten Witten-berger Concordie ein Ausdruck für die Abeudmahlslchrc gefunden, inwelchem die beiden protestantischen Parteien, ungeachtet die Verschieden-heit in dieser Beziehung nicht aufhörte, sich einigten. Dagegen sprachman von protestantischer Seite die Trennung von den Katholiken, alsClemens' VII. Nachfolger Paul III. (1534 bis 1549) ein Concil nachMantua ausschricb, recht scharf durch die von Luther verfaßten Schmal-kalduer Artikel ans, nachdem man die Theilnahme an dem Concil ver-weigert hatte. Indessen hatte die religiöse Bewegung auch zu einergroßen Störung deö Friedens geführt. In Münster hatte der Protestan-tismus allmälig Eingang gefunden, und als er sich im Besitze einesTheiles der Stadt befand, erstreckten sich hieher die Einwirkungen derwicdertäuferischcn Sectc, die in den nahen Niederlanden heimisch ge-worden war. Ihre Sendlinge rissen daö ohnehin schon aufgeregte
Münster in einen Strudel von Schwärmerei und Gewaltthat, indem siemit Verkündigungen eines nahenden Gottesreiches viel Volk aus derUmgegend in die Stadt lockten und mit Hülfe desselben alle Gewaltin ihre Hände brachten. Ein Schneider, Johann Bockhold aus Leyden,der göttliche Offenbarungen zu erhalten vorgab, trat an die Spitze derBewegung, erklärte sich für den König des neuen Reiches, daö unterVernichtung aller Fürsten über den Erdkreis verbreitet werden sollte,und ließ alle Greuel entmenschter Thorheit und Wuth in der Stadtwalten. Der Bischof von Münster, der früher mit den Protestanteneinen Vertrag hatte eingehen müssen, war jedoch mit Truppen zurEroberung der Stadt angerückt, und der Hunger riß in derselben ein.Als nun die wegen der würtembergischen Angelegenheit begonnene Fehde