602 Kaiser Karl V. und die Kirchciitrenmmg in Deutschland.
er einen gewaltsamen Widerstand gegen die Katholiken, von ihm stetsPapisten genannt, nicht verwerflich finde. Eine »och im nämlichen Jahreauf Veranlassung des Kurfürsten von Sachsen in der thüringischen StadtSchmalkalden gehaltene Versammlung beschloß, vom Kaiser zu verlangen,daß er dem Reichskammergericht Klagen wegen entfremdeten Kirchen- ^gutes anzunehmcn verbiete. Eine im nächsten Jahre ebendaselbst ge-haltene Versammlung führte zu einem Bündnisse, das seine Mitglieder igegen gewaltsame Durchführung des kaiserlichen Willens schützen sollte.Zugleich wurden Mittheilungen desfalls an auswärtige Mächte, be-sonders an Karls beständigen Feind Franz und an den in seinem Lande -mit Neligionsneuerung aufgetretenen Heinrich VIII., gesandt. Man wollte .sich für den Nothfall fremder Hülfe versichern, was bei Franz auch ^gelang. So zeigte sich aus Anlaß des Neligionsstreites in der Ferne, !wie eine schwere Wetterwolke, die Einmischung fremder Staaten inDeutschlands Angelegenheiten. Da der Kaiser die Bewilligung vonHülfe gegen die Türken betrieb und für seinen Bruder Ferdinand, dener im Jahre 1531 zu Köln durch sechs Kurfürsten hatte zum römischen >Könige wählen lassen, die durch den Kurfürsten von Sachsen dagegeneingereichte Protestation unwirksam zu machen wünschte, mußte er den ^Protestanten gegenüber einen Schritt rückwärts thun. Dies geschah "mittelst eines im Jahre 1532 in Nürnberg geschlossenen Neligions- !friedcns, nach welchem bis zu dem Ergcbniß eines in Jahresfrist zu !eröffnenden Concils keine der Parteien um der Religion willen gekränkt,auch von dem Kammergcrichte keine Klagen in Neligionssachen ange-nommen werden sollten. Jetzt kam es zu einem Heerzuge gegen dievon Neuem an Oestreichs Grenzen erschienenen Türken, die nun Ungarnräumten. Darauf begab sich Karl nach Bologna, um mit dem Papsteüber das Concil zu unterhandeln. Die Kunde von dem Eingehen desPapstes ans des Kaisers Wunsch kam den Protestanten ungelegen, und !ihre Fürsten ließen die von dem Papste bezeichnten Grundlagen alsunannehmbar bezeichnen, worauf der Papst sich seines Versprechens ent-bunden erachtete. Von einem Concil war nur Verwerfung dessen, was ^geschehen war, zu erwarten. Die Protestanten aber trachteten nach Ge- !legenhcit, der neuen Ordnung der Dinge weitere Ausbreitung zu geben. >Der Nürnberger Religionsfrieden, dem sich auch Philipp lebhaft wider- !setzt, und dem er erst auf Luthers Rath zugestimmt hatte, befriedigte sienicht einmal, da nach demselben neue Einziehung von Kirchcngütcrnunstatthaft war und er auf die nachher noch zur protestantischen LehreNebertretenden nicht anwendbar schien. Ferdinand mußte daher in einem >Vertrage, den er im Jahre 1534 zu Kadan an der Eger unweit Saatzmit Johann Friedrich, dem Sohn und Nachfolger des im Jahre 1532gestorbenen Kurfürsten Johann von Sachsen schloß, auch hinsichtlich der