Nomantischc Dichtung.
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die sie einnimmt? daß wir die Mündigkeit antretcn wollen, zu derwir gebildet und gewachsen sind unter sauerer Schule und schwererErfahrung? Mit welchen Mitteln aber auch die Erreichung diesesZieles zu bewirken sein sollte, auf dem Wege unserer bisherigen Poesiewürde weder der Zweck noch daö Mittel erreicht werden; weder die„Behaglichkeiten der früheren Märchen," noch die Unbehaglichkeitender früheren und späteren Dichter werden uns dahin führen. Sondernein Mann thut uns noch, der dieses Ziel mit gerader Bestrebung insAuge faßte und nicht auf Umwegen zu erschleichen hoffte, ein Mann wieLuther war, der jetzt dies Werk endlich aufnähme, das der große Refor-mator schon Lust zu beginnen hatte. Ihn schon dünkte zuweilen, daß dieRegiment und Juristen wohl auch eines Luther'ö bedürften; aber erbesorgte, sie möchten einen Münzer kriegen, darum ricth er, daran zuplctzcn und zu flicken wer könne. Aber nun haben wir drei Jahrhundertelang geplctzt und geflickt, und es ist nichts geworden; wir haben auchder falschen Münzer genug erlebt, aber freilich keinen von lutherischemGepräge. Luther verzweifelte an diesem Werke, und wohl aus dem leidi-gen Grunde, daß er in diesem Volke keine politische Natur erkannte.Denn was aus Kraft der Natur geschieht, sagte er, daö geht frisch hin-durch, auch ohne alles Gesetz, reißt auch wohl durch alle Gesetze; aberwo die Natur nicht da ist, und soll's mit Gesetzen herauöbringen, das istBettelei und Flickwcrk. Nur so ganz möchten wir darum doch nicht andiesen Volkskörper verzagen, daß wir mit Luther nicht Haut und Haaran ihm gut nennen sollten; wir wollen nicht glauben, daß diese Nationin Kunst, Religion und Wissenschaft das Größte vermocht habe, undim Staate gar nichts vermöge. Aber freilich müssen wir es in die Händedes Schicksals geben, ob es jene enthusiastische Energie, die allem unseremersten Beginnen eigen ist, einmal nach dieser Richtung lenken werde.Was an uns ljcgt, ist, ob wir die Winke der Zeit verstehen, die Zer-splitterung unserer Thätigkeit aufheben und unser Wirken nach demPunkte richten wollen, nach dem die ungestümsten Wünsche am lautestengeworden sind. Der Wettkampf der Kunst ist vollendet; jetzt sollten wirunS das andere Ziel stecken, das noch kein Schütze bei uns getroffen hat,ob uns auch da Apollon den Ruhm gewährt, den er uns dort nichtversagte.