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Romantische Dichtung.
Schopenhauer ließ sich 1806 hier nieder, und auch die Mereau und Brach-mann waren von hier aus eingeführt oder angeregt. Von dem geistigenStaate, der sich hier langsam und mächtig gebildet hatte, ward dann dasbenachbarte Jena eine wissenschaftliche Pflanzstadt, die in der engstenVerbindung blieb. Der Hauptsitz der kritischen Philosophie zog sich hier-her, auch als Kant noch lebte. Reinhold ward ihr beredter Ausleger;in seine Hörsäle strömte es; aus dem fernen Oesterreich und den katho-lischen Landen, wohin die philosophische Aufklärung drang, kamen diewißbegierigen Schüler zu dem Meister, der selbst aus Jesuitcnschulenhervorgcgangen war. Fichte war trotz äußerer Einsprache hierher beru-fen, und erfüllte mit dem Tumulte seiner Lehren und dem Nachdruck seinerPersönlichkeit ganz Deutschland. Schelling trat hier mit seiner Natur-philosophie hervor, die sich in mannichfachen Strahlen zertheilte. Schil-lert Geschichtslehre regte hier Woltmann an, Voß wirkte eine Zeit lang,die Namen der Brüder Humbolvt tauchten hier gleichsam zuerst aus. Inden verschiedensten Fächern gingen von hier die Lehrer des ersten Ranges,die Thibaut, Paulus, Huseland und Andere aus. Ein neues literari-sches Organ ward laut, das anfangs in bedeutender Achtung stand. Wasirgend eine poetische Ader in sich fühlte und einem unbestimmten TalenteRichtung, einer schwankenden Selbstkenntniß Stütze, einem jugendlichenEnthusiasmus Ausbruch schaffen wollte, kam zu Schiller und Göthe;die Novalis, Hölderlin, Schmid sollten oder wollten bei ihnen in dieSchule gehen. Die beiden Schlegel, die neben Ticck (der gleichfalls ge-gen Ende des Jahrhs. in diese Gegend kam) die Seele der sämmtlichenneuen Bewegungen im Gebiete der Dichtung wurden, hatten hier ihreStätte, und ihre Ausgangspunkte führten auf die großen Dichter, Ueber-setzer und Philosophen gleichmäßig zurück, die hier angesessen waren.Die wunderlichsten Genialitäten, jene auffallend verrückten Menschen,drängten zu, über die sich Göthe zu beklagen hatte, die entweder selbstverzweifelten oder Andere zur Verzweiflung brachten. Augenzeugen sagenaus, daß damals die Verschiedenheit von Menschen in Sitte, Kleidung,Kultur, vom Wilden und Cynischen bis zu widerlicher Ueberfeinerung,kaum in Paris und London stärker sein konnte, als in Jena, und Schillernannte diese Stadt damals eine Erscheinung, wie sie vielleicht auf Jahr-hunderte nicht wieder kommen werde.
So viele Last ward am Ende schon materiell dem kleinen Staate zuschwer zu tragen; und wäre dies auch nicht gewesen, so hätten so vielefremdartige Elemente, im engen Raume zusammengestoßen, sich nichtlänger friedlich vertragen, als die erste Begeisterung reichte. Beides