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5 (1853) Mit einem vollständigen Register über alle fünf Bände
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Schiller und Göthe.

Verhältniß geradezu um, wenu mau Beide dem öffentlichen Leben der Zeitgegenüber hält: ihm trat Göthe mit einer Selbstbestimmung entgegen,die seine gewöhnliche Rereplion ganz verleugnete, und Schiller dagegenließ sie in einer Objektivität auf sich wirken, die der reinsten göthischenEmpfänglichkeit gleichkommt. Göthe selbst bewunderte gelegentlich dieKunst, mit welcher Schiller das Objektive faßte, wenn es ihm in Ge-schichte und Uebcrlieferung entgegenkam. Man hat allgemein die örtlichenFärbungen im Teil und Aehnliches bestaunt, aber einen höheren Preisverdient die zarte Sympathie mit dem großen Weltleben, dessen Schrittener Fuß um Fuß in seinen Dichtungen folgte. Hier war Göthe in seinereigensinnigen Abgeschlossenheit der totus, und Schiller in seiner Bieg-samkeit ö Wenn Göthe sich dem antiken Geiste insofern anschließt,

als er sich an das Reale und Wirkliche hält, und dadurch nach Schiller'sAusspruch von allen neueren Dichtern sich am wenigsten von der sinn-lichen Wahrheit der Dinge entfernt, so dagegen Schiller, insofern erseine getrennten Geisteseigenschaften auf Eins koneentrirte, und dadurch,wie man so oft von den Alten gerühmt hat, mit Wenigem Vieles leistete,während Göthe mit Vielem Weniges. Und wenn es richtig ist, daß manBeide im Ganzen wie antik und modern von einander trennt, so fühltedoch Göthe, der antikestc unter den Modernen, dort eben so richtig, woer sich in Zcrtheilung seiner Kräfte dem idealen Nnendlichkcitsbestrcbender neueren Zeit verfallen sieht, und Schiller, den Humboldt zwar mitRecht den Modernsten aller Modernen nennt, empfindet dort nicht min-der richtig, wo er sich den Griechen nahe fühlt, als er von Shakespearezu Sophokles überging. Chronologisch liegen die Gegensätze des Realenund Idealen ungefähr in umgekehrtem Verhältnisse in Beiden: Götheging mehr von einer realistischen Tendenz aus in eine ideale über, Schil-' ler suchte sich nach der Bekanntschaft mit Göthe'n und den Alten demRealen mehr von dem Idealen ans zu nähern; er ging von Spekulationzur dichterischen Anschauung zurück, der Andere von dieser, wenn nichtzur Spekulation, so doch zur Beschaulichkeit über, und auf seinen Spu-ren schritt der orientalische Spiritualismus einher, wie auf Schiller'sdie derben Vaterlandsbcstrebungcn in Praris und Poesie. Und so sinddie angenfälligsten Wirkungen Beider überhaupt im Grunde ganz gegendas, was man zufolge ihrer Naiuranlagcn hätte erwarten sollen. Deraufs Praktische und Materiale gerichtete Dichter ward mehr überhobcn,der in der Kunst und Idealwelt lebende ist Vielen zu natürlich. Beideshinderte Beide, den Extremen zu verfallen, und so ist der hochgehcndeund oft tiefsinnige Schiller populärer geworden, und der Planere, an