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Schiller und Gvthe.
kommen, nur als ein Ziel erstrebt werden; die möglichst reine Darstel-lung und Entwickelung der menschlichen Natur im Alterthume ist immernur eine endliche Größe gegen die imaginäre, die an dem vagen Zieledes Fortschrittes der Kultur liegt. In der todten Natur vollends denUrbegriff der höchsten Menschheit zu suchen, würde ihm nicht eingefallensein, er holte ihn aus den unsichtbaren Regionen, zu denen des Menschendenkender Geist allein sich aufschwingt. So theilen sie also Beide dichte-risch und menschlich zwischen die Kultur und Natur, deren Bund sie rüh-men, wieder ab; Jeder für sich betrachtet, strebt in die Wagschalen desLebens Vernunft und Sinnlichkeit in gleichem Gewichte zu legen, undgegen einander gehalten wiegen sie sich in den entgegengesetzten Schalenwieder auf. Dem Einen genügte das, was die Natnr in ihrer ReinheitEndliches erreichte, der Andere nahm in Aussicht, was die Kultur inihrer Aechtheit Unendliches erstrebte. Das große Werk jener Versöhnunghat die Natur, so lange sie uncntzweit und ungestört ist, im Besitze: sieungetrübt zu erhalten, ist daher das Wahlwort Göthe'ö, der sich in die-sem Besitze freute und begnügte, der von da ausging; sie durch Kulturherzustellen, ist die Losung Schiller's, der in dem Falle der modernenZeit im Allgemeinen war, die sich nach der Natur zurückzukehren sehntund dabei sich einen eigenen Werth und Gehalt reservirt. Göthe hatdaher seinen Standpunkt unverrückt auf der Kunst, und zwar auf jeneralten naiven Kunst, der Vorverkünderin der Kultur, die mit der Naturüberall verwandt ist, und am nächsten in der Plastik. Schiller's Augespringt überall über diese Grenzen der reinen Kunst hinweg. Ihm istihre Gestaltung in der Plastik gleichgültig, die er ganz als die Fruchteiner instinktiven Bildung ansehen muß; die Poesie reizt ihn unter allenKünsten allein, die den Bund mit den Produkten der übrigen menschlichenVermögen näher legt. Denn er kann nicht gleichgültig sein gegen dieaußerhalb der Kunst gelegenen Fortschritte der Kultur unter der Wirk-samkeit getrennter Kräfte; er blickt auf Geschichte, politische und philo-sophische Bildung hinüber, und vereint nur Alles wieder zum Diensteeiner gesteigerten Kunst, die sich auf dem Niveau des Kulturstandes auf-pflanzt, mit freiem Bewußtsein, „als ob sie ihr eigener Schöpfer wäre."Erweiterung der Kunst ist daher nach Humboldt's Worten der Eha-rakter der schiller'schen Dichtung; Umschreibung der natürlichen Grenzen,oder mit anderen Worten, Unmittelbarkeit der Kunst ist der Charakter dergöthischcn. Beide in dem Gesammteindruck ihrer Personen und Produk-tionen machen daher die gegensätzlichen Eindrücke von Natur und Geist,von Instinkt und Freiheit, von Praris und Theorie, von dem glücklichsten