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Schiller und Gvthe.
derselben zurückbleibt. Nun kommt es aber in der Praxis des Lebens weitmehr darauf an, daß das Ganze gleichförmig menschlich gut, als daß dasEinzelne zufällig göttlich sei; und wenn also der Idealist ein geschickteresSubjekt ist, uns von dem, was der Menschheit möglich ist, einen großenBegriff zu erwecken, und Achtung für ihre Bestimmung einzuflößen, sokann nur der Realist sie mit Stätigkeit in der Erfahrung ausführen, unddie Gattung in ihren ewigen Grenzen erhalten. Jener ist zwar ein edle-res, aber ein ungleich weniger vollkommenes Wesen; dieser scheint zwardurchgängig weniger edel, aber er ist vollkommener: denn das Edle liegtschon in dem Beweis eines großen Vermögens, aber das Vollkommeneliegt in der Haltung des Ganzen und der wirklichen That."
An den Ansichten über einzelne Dichter, Dichtungswerke und Gat-tungen, die in dieser Schrift niedergelegt sind, gehen wir schweigend vor-über. Sie sind zerstreut in unserem Werke theilweise benutzt uud ange-führt worden, sowie die ästhetischen Grundsätze, die in diesem Merkchenausgestellt sind, mit Einzelnem, was Aristoteles, was Lessing und Göthe,was Humboldt und Förster in dem gleichen Sinne gedacht haben, diesesganze Buch vielfach durchdringen. Wer die Sätze der schiller'schen Theorieder Schönheit, wer seine ästhetischen Nrtheile nicht blos zu lesen, sondernauch zu begreifen, nicht blos zu begreifen, sondern auch mit richtigemTakte und gesundem Geschmacke anzuwenden weiß, und wer von hierzurückgehend die große Masse der deutschen Dichtung noch einmal über-sehen wollte, wie wir sie zu beleuchten, zu sichten, zu ordnen versuchten,der würde sich nun überzengen (was er auf den ersten Blick vielleicht nichtfinden wollte), daß unser Urtheil, überall aus Einem Gusse, sich auf dieResultate gründete, aus welche uns nicht allein die Höhe der antiken undder modernen, deutschen, ästhetischen Kritik anwies, sondern auch dereigene Weg der historischen Betrachtung aller alten und neuen Dichtunggeführt hat, mit solchen Abweichungen nur, die bei einer selbständigenForschung und Ansicht unvermeidlich sind, die hier aber die letzten Grund-sätze kaum berühren. Diese Ucbereinstimmung des Endurtheils, zu demdie poetische Produktion, die ästhetische Zergliederung, die philosophischeAbstraktion, der menschliche Takt und die geschichtliche Betrachtung un-abhängig hinleiteten, zwang uns wohl, hier unsere Neberzeugungen zuholen, wenn wir auch nichts davon entgegcngebracht hätten. Ja, wennwir auch nicht der Ansicht wären, daß die ästhetischen Principien jenerMänner die einzigen uud nie veräußerlichen, und in allen Zeiten einesaufgeklärten Geschmacks anzuerkennenden wären, und daß jedes Weiter-gehen hier Rückgang werde, so wäre es doch vielleicht des Historikers