Druckschrift 
5 (1853) Mit einem vollständigen Register über alle fünf Bände
Entstehung
Seite
319
Einzelbild herunterladen
 

Umuitlelb. Einwirk. d. Wissenschaften u. Lcbenszustiinde. 31!)

die Wissenschaft und jene ihre Quelle, die uns noch ein bischen Menschen-verstand und Gefühl erhält: Philologie und Alterthum. Schlosser schriebgegen die neuen pädagogischen Idealisten: ihm genügten bescheidnereAnstalten und Zwecke, die auf den passenden Grad des Guten berechnetwären; er machte auf die große Kluft aufmerksam, die in einer so prakti-schen Sache die Theorie von der Praxis trennt, und wie die Menschen,die das Was so hoch spannen, beim Wie gewöhnlich am tiefsten sinken.Er tadelte jene pomphaften Ankündigungen, nach denen man Emile,starke Menschen, ziehen wollte, indem man doch jede Anstrengung schenkteund nicht wagte, die Schüler länger als eine halbe Stunde mit EinemGegenstände zu beschäftigen. Er meinte eher ans einem Waisenhaus-schüler einen brauchbaren Menschen machen zu können, da sich die Bar-barei abschneiden lasse, als aus einem philanthropischen Jungen einenarbeitsamen, ausdauernden Geschäftsmann. Er lachte über das eitleGeprahl mit der sokratischen Methode, da er sich überzeugte, man ver-stehe darunter nichts als eine leere Fragmethode. Sokrates, warf er ein,lehrte bei Gelegenheit; wie kann man diese immer ans der Schule fürdie vielen Gegenstände in Bereitschaft babcn? er lehrte Denken undThun, aber nicht Wissen, was auf der Schule ein Hauptzweck ist.

Wenn sich schon an die religiösen und theologischen Bewegungenin unserer schönen Literatur eine Reihe von Werken anschloß, so nochviel mehr an diese pädagogischen. Hier sollte es wieder offenbar werden,welchen Hang unsere Literatur von jeher hatte, sich ins Populäre aus-zudehnen, sich gemein zu machen und dadurch gemein zu werden; essollte sich zeigen, wie unermeßlich bei uns die Zahl der Mittelmäßigkeitenist, die nur auf eine Gelegenheit lauern, sich Hervorthun zu dürfenunter irgend einer Maske der Gemeinnützigkeit oder sonst, die ihnenzugleich ein Schild und eine Decke für ihre Seichtigkeit wäre. Eineganze Bibliothek, eine ganze Literaturgeschichte voll schöngeistiger undauch theoretischer Werke für und über die Kinder, die Schule und dasVolk ließe sich zusammeubringen, unter denen aber nur ganz einzelneund wenige einer ernsten Beachtung Werth sind. Sobald das philanthro-pische Institut in Dessau im Gange war, begann dieser Jammer überDeutschland hereinzubrechen. Schon vorher hatte Schlosser mit seinemKatechismus der Sittenlchre für das Landvolk si77l) einen Anstoß zurvolksfreundlichen Schriftstellerei gegeben, die mit der kindecfreundlichenganz Hand in Hand ging. Mit ihm begegnete sich Rochow in gleicherGesinnung, Absicht und Lehrart: sein Versuch eines Schulbuchs fürKinder der Landleute (1772) dehnte sich vom Sittlichen, auf dem Schlosser