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5 (1853) Mit einem vollständigen Register über alle fünf Bände
Entstehung
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316
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316 Uebersicht der schönen Prosa (Romanliteratur.)

die Schule unter der Aufsicht des Staates war. Der Deutsche, in nichtspolitisch, war darin politischer als irgend ein Staat der neueren Welt,daß er die Bildung seiner Jugend einer freisinnigen Leitung des Staatesgern überließ; er, der kein nationales Element hat als seine geistigeBildung, wollte für deren Gemeinsamkeit Sorge tragen und ihr einenbleibenden Mittelpunkt geben, wie es nur die alten Staaten und dieKirche mit der Schule gehalten hatten. Das Erziehungswesen nahmdaher bei uns eine ganz andere Richtung, als die ihm in den Philan-thropincn angewiesen werden sollte: der Geist der Verweichlichung undfalschen Menschenliebe, der sich hier eingenistet hatte, ward gedämmt,indem der Staat, wirksamer als der Privatmann für die Schule thätig,dieselbe unabhängig von den Einflüssen ängstlicher Aeltern stellte. Gleichanfangs, während man noch in den protestantischen Landen wünschte undseufzte, schritt man zuerst in einem katholischen zur That, und der Chur-fürst Mar Friedrich erließ 1776 eine Verordnung für Reformation derSchulen des HochstiftS Münster. Und nun folgten sich Schlag aufSchlag die Schulordnungen von Staatswegen, die Verbesserungen derGymnasien, und die Einrichtungen von Seminarien. Hier gab Preußenbesonders das denkwürdige Beispiel, das im Laufe der Zeit so schöneFrüchte trug. Dort war der Eifer für die Schulreform national. Inwie gerechtem Ruhme stand damals nicht der Freiherr von Rvchow zuRckahn durch seine Volks- und Schulbücher und durch seine edle Sorg-falt für die Schule und Erziehung der Kinder auf seinen Gütern! Wiegesund und doch eifrig und warm war das Wirken Gedike's, der inBerlin das Seminarium für gelehrte Schulen leitete und den Schulrathund das Oberschulkollegium cinrichtetc! Zum Glücke kam die Erneue-rung der philologischen Wissenschaft diesem Eifer entgegen, so daß dieklassische Bildung sich aus eigenen Kräften gegen die realistischen Neue-rungen sicher stellte, daß in dem Popularitätsbestreben nicht alle höhereErziehung Roth zu leiden hatte. Nicht auf dem Wege der freien Privat-anstalt, sondern auf dem der Staatsschuld die die Lehrfreiheit im Ganzennicht viel gedrückt und die Freiheit der Lehrer, die eben so wichtig ist,verbürgt hat, hat Deutschland eine solche Verbreitung des Unterrichts,eine solche Allgemeinheit und zugleich Gründlichkeit der Bildung erhal-ten, daß nun, wie die freien Engländer uns gewöhnlich unsere freierereligiöse Kultur beneiden, so die Franzosen unser Schulwesen nachah-mungswerth gefunden haben, und daß derjenige, der ohne Schwarz-sichtigkeit in den menschlichen Dingen nicht das Ideal, sondern dasWirkliche und unter Menschen Mögliche im Auge hat, gesteheu wird,