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5 (1853) Mit einem vollständigen Register über alle fünf Bände
Entstehung
Seite
298
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Zj>8 Uebersicht der schönen Prosa (Romanliteratur).

Verfassungen und Sitten hatte, den Sinn für Nationalreligionen ab; erergriff die Menschheitsreligion, die sich so gut anzusügen wußte, dieAllen Alles war, die die Gabe hatte, in fremden Zungen zu predigen.Er haßte innerhalb dieser Religion die Staats- und Nationalkirchen; ermöchte nicht, daß Luther eine deutsche Kirche gestiftet hätte. Er wardarum mit denselben Argumenten, wie man heute aus eine Universal-literatur und Republik aus ist, auf die Universalreligion aus. Er saheine wahre unsichtbare Kirche durch alle Zeiten und Länder durchgehen,die ihm über die christliche war; in ihr sind ihm die Freimaurer nureine Sekte, in ihr fallen die Kultusunterschiede weg: in ihr „ist keinJude noch Grieche, kein Knecht noch Freier, kein Mann noch Weib, inihr sind wir Alle Eins." In diesem Sinne hätte er gern ein Christcn-thum gelehrt, das so auf die äußersten Punkte der Allgemeinheit zurück-geführt wäre, daß jede Partikular - und Sektenansicht davor aufgehenkonnte. War dies eine katholisirende Tendenz, nach der auch Leibnitz aufdie Vereinigung der Hauptkonfessionen hinarbeitete, so war doch Her-der'» das Katholische weit nicht katholisch, nicht universal genug. Erging in den christlichen Schriften (l794 —8) auf jenen reinstenStandpunkt zurück, den Lessing in seiner Religion Christi angegebenhatte. Wenn Herder Lavater'n darum pries, daß er ein reines Christen-thum ohne allen scholastischen Ballast bekannt habe, so muß man docherinnern, daß dieser überall auf den Standpunkten der Apostel stehenbleibt, und ihre Befangenheiten mit ihnen thcilt. Herder ging aufChristus selbst und sein Leben und seine Lehre zurück; Lavater konntekeine Mitte zwischen Deisterei und Christenthum, zwischen der Lehre vonder Entbehrlichkeit und Unentbehrlichkeit positiver Gottcswirkung finden;Herder ertrug sie beide. In seinen christlichen Schriften, die weder denRationalisten noch deren Gegnern genug gethan haben, weil sie beidenParteien nicht weit genug gingen, liegt sein Glaubensbekenntniß inallem Umfang und aller Klarheit vor. Diese Aufsätze sind so populärund bündig, so ganz ohne allen falschen Prunk, Salbung und Kirchen-feierlichkeit geschrieben, daß sie jeden einfachen Sinn ansprechen müssen,auch wenn man nicht mitgehen will, so weit er geht, oder nicht stehenbleiben will, wo er stehen bleibt. Gegen diesen Ton wird der Freigeistnichts haben, der Spötter nicht aufkommen, der einfältig Gläubige nichttaub sein. Aus diesem Tone gelehrt, wird heute das Christenthum undder Protestantismus noch immer seinen festen Anhang um sich gesammelthalten. Herder erklärt die Evangelien in einer rationellen, nicht in einerplump materiellen Weise. Er will die Wunder und den Glauben