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Uebersicht der schönen Prosa (Romanliteratur).
Fächer, die Verwirrung von Theorie und Praris. Der Dichter, der Laie,der Philosoph, der sich in die theologischen Fragen des Tages mischte,urtheilte in diesem Gebiete natürlich anders, als der Gelehrte des Fachs,und gab seinem Urtheile ein anderes Kleid; der Geistliche, der sich ander Zuchtlosigkeit des Schauspiels ärgerte, predigte über diese Sitten-schule aus einem anderen Tone als die shakcspearische Sekte unserer jun-gen Dramatiker; der praktische Geschäftsmann, wenn er sich dem poeti-schen Schwindel der Zeit hingab, fiel auf eine andere Gattung als derKreis der göttinger Odensänger. Aus der allgemeinen Unordnung, diehieraus entstand, erklärt es sich, daß kein Zweig der Wissenschaft oderder Kunst seit den 70er Jahren mehr eine reine, ungestörte Entwickelungbei uns erlangen konnte. Das Drama hätte nach der Natur der Ver-hältnisse im Vordergrund der Poesie stehen müssen; allein die Masse derübrigen Erzeugnisse, die aus dem allgemeinen Nachahmungstrieb in allenGattungen entstanden, überdeckte diese gesetzmäßige Gattung so sehr, daßes schon schwer ist, nur ihre Gesetzmäßigkeit zu erkennen, daß nichtsleichter ist, als dem Geschichtschreiber diese, ja jede Gesetzmäßigkeit indem Gange der Literatur dieser Zeiten zu leugnen, wo die menschlicheWillkür und Freiheit zu einer merkwürdigen Höhe gestiegen war. Ebensohätte nach der Natur der Verhältnisse wieder im Vordergründe der ge-summten Literatur die Poesie stehen müssen, und in dem Sinne, in demdas Drama die erste Stelle innerhalb derselben einnahm, nimmt auchdie Poesie die erste Stelle in der Gesammtliteratur ein, obgleich seit den70er Jahren in allen Fächern der Wissenschaft ein ungemeiner Aufschwungstatt hatte, ja obgleich die theologischen Schriften der Zahl nach damalsnoch den vierten Theil unserer ganzen Literatur ausmachten. Mit derZahl und dem Gewichte können wir es nicht darthun, aber mit demGeiste, daß damals die Poesie, trotz aller Aufnahme der Wissenschaft,vorzugsweise das belebende Prineip unserer Literatur war. Als dieHamann, Herder, Lavater und Andere verschiedene Zweige der Wissen-schaft neu aufingen zu beleben, sahen wir überall mehr poetische alseigentlich wissenschaftliche Kräfte in Bewegung; die Phantasie über-redete, wo der Verstand beweisen sollte. Die durch die Dichtkunst geweckteunendliche Macht der Empfindung wehrte sich gegen die engen Fesselngelehrter Forschung und Beweisführung, die dunklen Kräfte des Gc-müthes und der Phantasie warfen sich in die Bezirke, wo der Verstandheimisch ist, sie löschten im Eifer manches Licht aus und zündeten wiederin anderen Thcilen, wohin nie ein Licht gedrungen war; es regte sichder Glaube an Wunderkräfte, mit denen man die Religion zu neuer