Periode d. Originalgcmes. — Gvthe in Jtal. u. Schiller's Jugend. 137
werden. Am Mannheimer Theater wäre die Aussicht gewesen, daß Schillerdas geworden wäre, was einmal Lessing werden sollte; er hätte dessenSendung übernehmen können; er erfüllte dessen Weissagung, daß unsShakespeare achtbarere Zöglinge ziehen würde als jene ersten, die sich alsseine Nachahmer benahmen. Das Mannheimer Theatsr hatte sich wür-diger gestellt als noch kein anderes; an dieser Bühne war ein geistigesZusammenwirken, sie war, wie Schiller sagte, durch Wahl entstandenund dauerte durch eine Art Kunstsystem; hier spielten und schrieben Jff-land und Beil, und der Intendant Heribert von Dalberg, der Bruderdes Coadjutors, hatte wenigstens die besten Absichten, wenn er nur nichtselbst hätte Schauspieldichter sein wollen. Gegen Schiller benahm ec sichkleinlich und elend. Der schwärmerische Jüngling warf sich ihm ganz iirdie Arme; als er nach einem zweiten heimlichen Aufenthalte in Mann-heim, der verrathen wurde, ins Gefängniß kam, ward ihm seine Lagezu peinlich, er floh mit einem dürftigen Nothpfennig, in Gesellschaftseines Freundes Streicher, aus Stuttgart weg, auf Dalberg vertrauend.Mann nannte diesen Streich ein Seitenstück zu den Räubern, und imWesentlichen der Sache war er es ganz. Im heimlichen Aufenthalte inOggersheim, unter Noth, Angst und Aufgegebenheit schrieb er Fieseound Kabale und Liebe; nach Abschüttelung der äußeren Fesseln lag seineMuse im schweren Dienste des GeisteSunmuths; aber seine Seele singan sich unter den Widerwärtigkeiten des Geschickes zu läutern, wieGöthe's in Italien unter dem Lächeln des Glücks. Ein vortrefflicherKern, eine heitere Männlichkeit, Ehre, Standhaftigkeit und ein wahrhaftgefaßtes Gemüth spiegelt sich bei jeder Gelegenheit in seinem Benehmenund seinen Aeußerungen in der damaligen Lage ab. Dalberg verließ denerwartungsvollen Dichter und nahm seinen Fieseo nicht an; er war ge-nöthigt, einen Zufluchtsort bei seiner Gönnerin, Frau von Wolzogen, inBauerbach anzunehmen. Hier, unter den Ruinen des alten SchlossesHenneberg, wo einst mächtigere Schützer der Dichtung hausten, hier fander sich unter wenigen edlen Menschen wieder, da der Empfang der Weltihn, den Gutherzigen, schon fast zum Menschenhaffe getrieben hatte; dieFreundin wirkte veredelnd auf ihn, und „machte den zu einem gutenMenschen, der, wenn er schlecht wäre, Gelegenheit gehabt hätte, Tau-sende zu verderben." Sein reizbares Herz ward von der Tochter seinerSchützerin gefangen, und er hatte diese Leidenschaft mit nicht unerschüt-tertcr Kraft zu bekämpfen. Nicht lange, so rief ihn Dalberg wieder nachMannheim zurück, da er merkte, daß Herzog Karl den Flüchtling nichtzurückforderte, und da er ihn bei seinen platten dramatischen Machwerken