Periode d. Origiiialgenics. — Klopft. Lchule. (Die Göttinger.) 69
hielt er mit seinen Dichtungen, wie mit seinen Zeichnungen, zurück; denner war auch Maler, und, wie Voß im Hainbunde, die Seele einesKünstlervereins, in dem man Geßner verehrte, wie Klopstock in Göttin-gen, und aus dem eine größere allgemein schweizerische Künstlergesellschafthervorging. Wie wir bei Geßner und Müller auf die Beziehung derIdylle zur plastischen Kunst aufmerksam machten, wie Tischbein beideKünste verbinden wollte und Idyllen zeichnete, zu denen Göthe erklärendeVerse schrieb, so gehört auch Usteri in diese Reihe malerischer Dichter:seine beiden größeren Idyllen sind auf Bilder berechnet, er hat Zeichnun-gen entworfen oder entwerfen wollen, woran die Idyllen sich erzählendfesthalten. Sein zeichnendes Talent aber neigte sich zu Genrebildern nachdem Geschmacke Hogarth's und Chodvwiccki's, er hat ganze humoristischeRomane in Bildern komponirt. Dies macht nun, daß seine beiden Ge-dichte (der Vikari und der Herr Heiri) ganz eigen zwischen der Idylleund der komischen Epopöe in der Mitte liegen, die wir der Idylle Gegen-satz genannt haben; sie neigen weit mehr zu der komischen Karrikatur alszu der Elegie, die sonst leicht mit der Idylle verschmolzen wird. DieseEigenheit erklärt das Land der Entstehung, diese Mischung ist eine ArtNothwendigkeit in der Schweiz, wo die Konvenienz des Pfahlbürger-thums dicht neben der Ländlichkeit liegt und das Widersprechende sich dieHand reicht, die einfache Natur und der Despotismus des „Brunchs".Geßner entfloh diesem Zwiespalt lieber nach Arkadien; Usteri verließ denverehrten Meister und behielt den Zwiespalt bei. Er trat auf den naivenStandpunkt der Idylle, blieb mit ihr in der Heimat und in dem Volks-dialekt, tadelte alle Kunst, die sich um fremde Empfindung rankt und dieIdeale anderer Zeiten nachahmt, er schilderte die Natur, wie sie ist, wieVoß auf das Sittliche ganz gerichtet. Er blickt denn auch Stadt undLand, Einfalt und Verkehrtheit treulich abgeschildert durch. Das gewandteMaß des Hexameters, das hier die mangelnde Poesie verdecken zu wollenscheint, und das sich bei diesen unklassischen Erzählern übrigens in der Thatals unentbehrlich für allen ächten Laut der Natur erweist, bildet deutlichden Schweizeracrent, ab, und die Häufung der Daktylen und die verwickel-ten, in klarer Prosa abfließenden Perioden versinnlichen trefflich die ge-läufigen Zungen der Städterinnen; alles Eigenthümliche des Idioms bisauf die französischen Brocken ist genau beobachtet. Aber die kleinstädtischeLeere und Geschwätzigkeit scheint nur zu treu abgeschildert und wie er-götzlich einzelne Züge sind, so ist doch das Ganze auch hier durch unend-liche Breite ermüdend und abstumpfend geworden.