44 Umst. d. konvent. Dicht, durch Verjüng, d. Naturpoesie.
in der Brust, dem Staunen, das jede Nerve durchzittert, „wenn schon dieSeele werdender Lieder das Haupt unschwebt, ehe noch das nachahmendeGewand der Sprache sie umfließt." Ihre phantastischen Jugendträumeumfaßten sie daher mit größerer Liebe, als irgend ein geschriebenes Werk;sie sprechen von dem Zustande der poetischen Begeisterung, die unab-hängig sei von dem, der sie besitze, wie aus der genauesten Kcnntniß").Sie gebe dem Dichter das Original, seine Schöpfung sei immer nurUebersetzung! Sie gebe dem Begeisterten schnelle Blicke, schöpferischeKraft, Ahnungen von Ideen, Wahrheiten, Empfindungen, die außerdem Gesichtskreise des gewöhnlichen Zustandes des Menschen liegen, siemache den Dichter zum Seher, und diese Seherkraft stehe in einem Vec-hältniß mit derjenigen Kraft Gottes, mit welcher er freie Handlungendes Geschaffenen voraussehe. Wir bemerken wohl, wie hier Klopstock'sSätze von dem schöpferischen Genie auf eine Höhe getrieben werden, aufdie sie am wenigsten Jemand getrieben hätte, der sich in den geheimniß-vollen Tiefen dieser schöpferischen Kräfte innewohnend gefühlt hätte. Esdrängt sich die Uebeczeugung auf, daß, wie sehr Fritz Stolberg der Dich-terlinge spottet, die dieser Begeisterung nachrennen, wie arg er sie in demSatyrspiele, Apollons Hain, gegen die von den Musen Geweihten herab-setzt, doch die Hauptmerkmale, mit denen er sie charakterisier, besondersihn selbst bezeichnen; daß er sich mit eigenen Pfeilen trifft, wenn er überdas Lesen und Wicderlesen und Abschreiben von Dichtungen scherzt undüber den Zwang zur poetischen Begeisterung. Seine eigene Schwärmereiüber diese Dichterbegeisterung erinnert uns an unsere alten Schlesier, diesich in Orpheus' Seele zurückversetzten. Aus dieser Quelle nun fließt derfeierliche Schwulst, den Stolberg in seine Poesien trug, die Salbungund Würde, die von dem geistlichen Priesterdichter auf den Ritter über-ging. Sie ist besonders auffallend in den patriotischen Liedern, derersten Richtung, die er von Klopstvck überkam. Wenn Er, der seineEnkel gegen die Tyrannen wüthen sah, aber nachher freilich gegen.diefränkischen Freiheitskämpfer wüthete, der sich für das Vaterland zu sterben
lü) In einem Aufsatze über die Begeisterung von 1782, im IO.TH. dergesammelten Werke x. 403: „Das Anwehen der Begeisterung ist für die meisten Men-schen mit einer süßen Empfindung verbunden, für die Edelsten mit einer Entzückung,welche der Wonne des Begeisterten nahe kommt. Ost ist ihr Wehen mit zündendemStrahl für denjenigen, welcher der Begeisterung fähig ist, begleitet» In Solchen triffter oft senerfangende Ideen, die bald in Flammen auflodern, bald unter der Ascheglimmen, bis das Säuseln der Begeisterung oder ihr Sturm auch sie zur Flamme an-fachen" u. dgl. m.