Druckschrift 
5 (1853) Mit einem vollständigen Register über alle fünf Bände
Entstehung
Seite
34
Einzelbild herunterladen
 

34 Umst. d. konvcnt. Dicht, durch Verjüng, d. Naturpocsie.

bezweckte, hat Schiller wie kein anderer deutscher Dichter erreicht; erwar also gewiß wie kein Anderer berechtigt, den talentvollen Dichter,den er so weit über alle seine lyrischen Nebenbuhler setzte, wie er ihnhinter dem höchsten Schönen Zurückbleiben sah, über den Gebrauch seinerFähigkeiten zur Rede zu setzen. Daß er dabei nur das Fehlerhafte, wennman wolle ungerechterweise, hervorhob, gestand er selbst: er that es,nicht allein um die Würde der Kunst kräftig zu verfechten, nicht alleinum den schlummernden Dichter aufzuwecken, von dem er wußte, daßman ihm die Kritik empfehlen durfte, ohne seinen Genius zu zerstören,er that es auch, um nach den eigenen Erfahrungen, die er an sich selbstgemacht hatte, den Menschen zu erschüttern und zu nöthigen, sich zu-sammenzuraffen; denn er legte ein schweres Gewicht aus jene innerenUnebenheiten der Gedichte,die das Urtheil aufdrängen, der Geist, dersich hier darstelle, sei kein gereifter vollendeter Geist". Wie wenig habendoch die Menschen Urtheil und Unbefangenheit! Hinter die Ausgabenvon Bürger'ö Werken druckt man Schlegel's Beurtheilung mit Seiten-blicken gegen Schiller, und in guter Meinung für den beurtheilten Dich-ter, da doch Schiller's Urtheil diesem in der Art und in der Sache weitmehr Ehre thut als Schlegel's, was nur Jemand leugnen könnte, derden Rahmen für das Bild nähme, und vom süßen Rande des Gesäßessich wie ein Kind über den Inhalt täuschen ließe. Schiller sprach demlebenden Menschen zu und that ihm wehe, um ihm wohl zu thun;Schlegel hatte freilich die sichere Wirkung für sich, da er auf dem Grabedie ohnehin tropfenden Augen reizen konnte. Alles ohne Ausnahme,was Schiller Bürger'n vorwirft, wirft ihm auch Schlegel, und zumTheil viel greller vor, nur daß er zugleich Schiller'n vorzuwerfen scheint,daß Er es vorwarf. Schiller deutete nur auf plebejische Abfälle, wäh-rend Schlegel mit feineren Ausdrücken daö viel Gröbere sagte, Bürgersei sehr oft nicht populär, immer aber demagogisch. Schiller mißtden Dichter von der höchsten Höhe der Kunst herab, und lehrt uns denPoeten und den Menschen zugleich zu fassen, voll von der edlen Absicht,diesen Genius und dies biedere Herz aus immer gleiche sittliche und ästhe-tische Anmuth und männliche Würde hinzuweisen. Und dies nenntSchlegel kalte Eleganz und Erstorbenheit, der nur das hohle Gehäusder Formen nach dem kleinen ästhetischen Regulbuch beurtheilt, und derdabei nach der Reihe die Balladen wie grobe Parodien blosstellt, vondenen die Nation anders geurtheilt hat, von denen Schiller urtheilte,cs werde ihm's Keiner so leicht darin zuvorthun, was doch von demDichter des Jbykus noch mehr sagen wird, als wenn es der des Arion