Druckschrift 
5 (1853) Mit einem vollständigen Register über alle fünf Bände
Entstehung
Seite
31
Einzelbild herunterladen
 

H

Periode d. Originalgenies. Klopft. Schule. (Die Göttinger.) 31

des Dichters. Aber der erzürnte Schauspieler stelle gewiß den Unwillen, schlecht dar, der Dichter müsse nicht Schmerz im Schmerz singen, nichtI leidender Theil sein. Aus der sanfteren und fernenden Erinnerung mögeerdichten, und dann desto besser für ihn, je mehr er an sich erfahrenhabe, was er besingt; aber nie solle er unter der gegenwärtigen Herr-^ schaft des Triebs sein, den er vdrsinnlichen will. Dies Urtheil ist auchvon Schlegel bestätigt worden, und es ist überall sichtbar, daß in solchenpersönlichen Gedichten nicht eigentlich gefaßter Sinn die Aufregung undLeidenschaft regiert, obwohl es damit in einer Art Widerspruch steht,daß oft wohl die ästhetische Kritik die Hand zu regieren scheint. DieserWiderspruch durchdringt und charakterisirt die ganze bürger'sche Dichtung.Er scheint auf der Einen Seite mehr als irgend ein deutscher Dichter dasNaturgenie zu sein, das jene Zeiten suchten, das die Gabe der Dichtungnur so anweht und airfliegt: denn nichts scheint sich weniger lernen zulassen, als jene Wahrheit und Kraft, jene phantasievolle Lebendigkeit,jenes eigenthümliche Feuer, das wir in Bürger's Gedichten theilweisefinden; nichts scheint so weit von Ueberlegnng abzuliegen, als jene Na-tnrkraft, die über alle Ordnung wegspringt, die das Tragische undKomische, Ernst und Scherz, Erhabenes und Groteskes in Einem Gan-zen saßt; nichts scheint alle Regel so zu verschmähen, als sein Hohngegen Batteur und die Batteusianer, als seine Manier und seine anfäng-lichen Grundsätze, die der alten Romanzen ohne Zweck und Leben, ohneglücklichen Wurf", ohne Sprung der Bilder und Empfindungen spotte-ten. Ganz auf dieser Seite liegt sein Bestreben nach Popularität: erhielt sie in einem poetischen Werke für das Siegel seiner Vollkommen-heit; er wollte die Kunst nicht in enge Zellen gezogen, sondern aus demMarkt des Lebens gelassen wissen; er suchte hier die Musterstücke derNaturpoesie, verschmähte die Göttersprache und die Witz- und Lehrdich-tung, und ließ diesogenannte höhere Lyrik laufen, wohin sie wolle."Er hielt sich an das Volkslied, nach dem er auf Bleichen und Spinn-stnben lauschte, in dem er die wahren Ausgüsse der einheimischen deut-schen Natur in Phantasie und Empfindung gewahrte, die er aus demLeben selbst wieder schöpfen und in solche Gesänge ausstreuen wollte,welche wieder auf der Bleiche so wohl gefallen sollten wie in der Adel-stube. Zu allem diesem bildet es aber einen sonderbaren Gegensatz, daßer diese Volköpoesie doch gleichsam gelernt hat. Er ward auf die ganzeGattung erst durch Percy's religues hingeführt, in denen die moderneHand des Sammlers so viele alte Natur verwischt hat; die dunkle Nei-gung zu dieser Art Poesie belebte ihm erst Herder in den fliegenden