Eine feste Bürgschaft für den bleibenden Iioben Werth dieses Ehrenzeichensliegt in dem Umstande, dass seine mit hoher Klugheit entworfenen Statutenauch mit eiserner Strenge aufrecht erhalten wurden. Das Theresienkreuz zählte vonjeher zu den seltensten Zierden der Tapferkeit; kaum Einer unter Tausendenvermochte es zu erringen, und dies in einem Heere, wo unerschütterliche Stand-haftigkeit, Bravour und kühnes Wagen zu den traditionellen Eigenschaftengerechnet werden.
Die Blume aller Ritterschaft hiess der streitbareBruder Friedrich’s des Schönen.Wer das Theresienkreuz verdienen will, muss zu diesen Blumen zählen. Monarchengrösserer Reiche waren daher seit einem Jahrhunderte stolz darauf, denselben Ordenan ihrer Brust prangen zu sehen, welchen der jüngste Officier im kaiserlichenIleere, falls er wirklich in die Reihe der Tapfersten gehört, über seinem Herzenträgt.
Der Grundsatz der Gleichstellung, der unter Österreichs Fahnen keinenUnterschied der Gehurt und des Ranges, nein, einzig nur den Anspruch des Ver-dienstes anerkennt, ist zudem bei der Stiftung dieses Ordens zur vollen Geltunggebracht worden. Das Theresienkreuz ward zum gemeinsamen Ziele für alle Offi-ciere im kaiserlichen Heere. Wer es in blutigem Kampfe erwirbt, bedarf keinesStammbaumes, er wird und ist, um mit dem Marschall Ney zu sprechen, seineigener Ahnherr. Der Wahlspruch hei seiner Verleihung lautet: gleiches Mass fürAlle! Begünstigung ist hier nicht möglich. Die eigenen Waffengefährten sind dieRichter der vollbrachten That.
So wurde dieser Orden zu einem gemeinsamen Bande in einem Heere, dasmehr als jedes andere jene brüderliche Eintracht aus der alten Ritterzeit zu be-wahren wusste, welche man kameradschaftliche Treue und Hingebung zu benennenpflegt. Dieser brüderliche Geist ist bekanntermassen das originellste Merkmal heider Charakteristik des österreichischen Kriegsvolkes. Dank diesem Geiste, wurdedas gesammte Heer zu einer Familie, und jeder Soldat findet unter dem kaiser-lichen Banner viele Tausende liehe Angehörige, kurz, denselben häuslichen Herd,den er vor dem Fahnenschwure in Wehmuth verlassen.
Trotz der hohen Glorie, welche diesen Orden seit hundert Jahren und heiallen Armeen verherrlichte, ist über sein eigenthümliches Wesen noch wenig indie Öffentlichkeit gelangt, und so scheint es nach seinem hundertjährigen Bestehenendlich an der Zeit seine Geschichte aufzuzeichnen und dieselbe Freunden kriege-rischer Thaten mitzutheilen. Eine jüngere Generation wird unter die Waffen tretenund sich an den Bildern der Vorgänger als an eben so vielen Mustern des eigenen