Druckschrift 
1,1 (1825)
Entstehung
Seite
373
Einzelbild herunterladen
 

Verdunstung des Wassers in der Luft. 373

keilen, die sich in der Luft oder auf kälteren Körpernverdichten.

Verdunstung. Luftwasser.

Läfst man Wasser in offener Luft stehen, so verliertes nach und nach am Gewichte und trocknet zuletzt ganzein. Diefs nennt man Verdunstung; sie geht um soschneller von statten, je höher die Temperatur ist, jegröfsere Oberfläche das Wasser hat, und je schneller dieLuft darüber wechselt.

Man hat darüber gestritten, ob das Wasser hierbeivon der Luft aufgelöst werde, wie ein Salz im Was-ser, oder ob es in ein Gas verwandelt werde, wel-ches nicht von der Luft, sondern blofs von der Tempe-ratur herrühren würde. — Die letztere Meinung ist durchgenaue Versuche bestätiget worden. Man hat nämlichWasser in den luftleeren Raum des Barometers einge-schlossen, und gefunden, dafs dasselbe hier eben so gut,als in freier Luft, Gasgestalt annimmt, und dafs bei glei-chem Thermometergrade eine gleich grofse Menge Was-ser in Dämpfe verwandelt wird, als wenn die Luft zu-gleich Zutritt hat. Auch sind wir durch diesen Versuchbelehrt worden, dafs unsere Erde, sie möchte nun vonatmosphärischer Luft umgeben sein oder nicht, dennocheine Atmosphäre von Wassergas um sich haben würde,deren Quantität von der Temperatur abhinge, und beigleichen Temperaturen, mit oder ohne Luft, immer gleichgrofs sein würde.

Diefs beweist sonach, dafs die chemische Verwandt-schaft der Luft zum Wasser dessen Verdunstung nichtvermehrt, und das um so mehr, als alle Gasarten beigleichen Temperaturen gleiche Wassermengen aufnehmen.Auf der anderen Seite scheint damit im Widerspruche zustehen, dafs die Verdunstung des Wassers durch Luft.Wechsel oder Wind vermehrt wird, und dafs das Wasserdabei so viel Wärmestoff bindet, dafs dessen verdunstendeOberfläche dadurch abgekühlt wird. Dieser Widerspruch