374 Abkühlung der vcrdnnst. Oberfläche.
ist indessen nur scheinbar, denn der Luftwechsel erleich-tert die Verdunstung nur in so weit, als er das über derWasserfläche stehende Wassergas fortführt. Wenn mansich eine verdunstende Wasserfläche vorstellt, findet man,dafs sich in der nächsten oberen Luftschicht eine Lagevon Wassergas bilden mufs, welche auf ihr aufruht, undvon dem neu hinzukommenden Gase gehoben weiden,dadurch aber die Verdunstung immer langsamer fortschrei-ten mufs, je dicker diese Lage von Wassergas wird. DasWassergas wirkt hier der Verdunstung theils durch seineSchwere entgegen, theils durch seine Trägheit (vis iner-tiae, oder den Widerstand, den ein jeder ruhender Kör-per gegen denjenigen ausübt, welcher ihn in Bewegungsetzen will). Die Luft ist demnach mehr ein Hindernifsder Verdunstung, als ein Beförderungsmittel derselben,weil sie den Raum einnimmt, in welchem sich das Was-sergas ausbreiten würde. Daher geht die Verdunstungauf hohen Bergen, in einer dünneren Luft, weit schnellervon statten, wo das Wassergas mehr Raum zu seiner Aus-breitung hat; und im luftleeren Raume verbreitet sich dasVerdunstende mit der Geschwindigkeit einer abgeschosse-nen Kanonenkugel.
Ueberdiefs mufs die Verdunstung die verdunstendeOberfläche abkühlen, ungeachtet das Aufsteigen des Was-sers in Gasgestalt nur durch die Wärme dieser Oberflächebestimmt wird. Denn wenn eine Wasserfläche z. B. bei-J-15 0 in trockener Luft (d. h. in solcher, welche nichtvorher schon Wassergas enthielt) verdunstet, so steigtdas erste Gas mit der Expansionskraft *) des Wassers auf,welche das letztere bei besitzt. Das Wasser mufs
aber, um sich in Gas zu verwandeln, WärmestofF binden,und dadurch die Fläche, von welcher es in Gasgestaltaufsteigt, abkühlen. Hätte diese Abkühlung i Grad be-tragen, so behielte das zurückgebliebene Wasser — j— 14 g-Grad und verdunstete nun mit der ihm bei diesem Wär-
*) Hierunter versteht man den Grad des Strebens flüchtiger Kör-per nach Gasgestalt, wovon weiter unten die Rede sein wird.