Erstarren des Wassers zu Eis. 363
rückgebliebenen Stoffen zusammen genommen, am Ge-wichte betrug.
Bei der Mitteltemperatur unserer Atmosphäre bleibtdas Wasser stets flüssig; vermindert sich aber die Wärmebis unter 0° am Thermometer, so nimmt es feste Gestaltan und verwandelt sich in Eis. Das Eis ist daher nichtsanders, als Wasser in fester Gestalt und unterscheidetsich vom flüssigen Wasser eben so, wie sich ein Stückfester Schwefel von geschmolzenem Schwefel unterschei-det. Ich habe schon angeführt, dafs ein nicht unbedeu-tender Theil der festen Oberfläche des Erdkörpers ausWasser in fester Gestalt, oder Eis, bestehe, und dafs manes nur auf denjenigen Theilen der Erdoberfläche flüssigfindet, welche von den Sonnenstrahlen erwärmt werdenkönnen. So wie in einer gewissen Höhe der Atmosphäre,selbst mitten über dem Erdäquator, die Wärme verschwindetso mufs diese auch in der Erdmasse selbst abnehmen undin einem gewissen Abstande von ihrer Oberfläche ganzfehlen.
Wenn das Wasser erstarrt, so nimmt es, wie diemeisten übrigen Körper, Krystallgestalt an, wie unseregefrorenen Fenster im Winter deutlich beweisen. Be-trachtet man Wasser, welches in einem dünnen Glase beimäfsiger Kälte langsam zu frieren anfängt; so sieht manerst ein dünnes Eisblatt auf der Oberfläche, dann aberEisnadeln entstehen, die unter bestimmten Winkeln von60° und 120° hervor schiefsen; an diese setzen sich neue,an diese wieder andere an u. s. f., bis endlich die ganzeMasse erstarrt ist. Diese Krystalle zeigen, wie die Kry-stalle anderer Körper, mancherlei Gestalten, welche theilsvon der Heftigkeit der Kälte und der Schnelligkeit ihrerBildung, theils von den verschiedenen Graden der Ruhebeim Frieren und dergleichen Umständen mehr abhängen.So findet man das Wasser bald in langen geraden Na-deln krystallisirt, bald in federartigen Krystallen, bald inglänzenden schuppenähnlichen Blättchen, welche vielsei-tige Zwischenräume zwischen sich lassen u. s. w. Nurselten hat man indefs ausgebildete Eiskrystalle beobachtet.