331
Temperatur des Luftkreises.
dafs 100 Cubikzoll 0° warme Luft, wenn sie bis zu-j- 100° erhitzt werden, 137,5 Cubikzoll einnehmen; oderdie Luft dehnt sich auf jeden Thermometergrad um 0,0375ihres Volumens bei 0° gemessen aus, und diese Ausdeh-nung bleibt sich bei allen Graden vollkommen gleich,wie ich schon bei der Beschreibung des Thermometersangeführt habe. Nach H. Davy’s Versuchen gilt diefsauch für die Fälle, wenn die Luft zusammengedrücktoder verdünnt ist. Die erwärmte und ausgedehnte Luftwird leichter, steigt in die Höhe und wird von kältererund dichterer Luft ersetzt, so lange die Erwärmung fort-dauert, wodurch ein aufsteigender Strom oder Zug überder erwärmten Stelle entsteht.
Die Temperatur des Luftkreises ist zunächst der Erdeam wärmsten, weil die Luft, als Lichtleiter, die Licht-strahlen nicht zerlegen, und daher durch sie nicht er-wärmt werden kann, bevor nicht der Wärmestoff auf derundurchsichtigen Oberfläche des Erdbodens ausgeschiedenworden ist. Die dadurch erwärmte Luft steigt empor,mischt sich aber allmählich wieder mit der oberen kälterenLuft und wird dadurch abgekühlt. Daher findet man dieAtmosphäre desto kälter, je höher man kommt, so dafsihre Temperatur einige tausend Klafter über der Erd-oberfläche , selbst im wärmsten Sommer, tief unter denGefrierpunkt herabsinkt. Diefs mufs auch, wiewohl inweit ansehnlicherer Höhe, über dem Aequator der Fallsein, und die Wärme der Luft mufs hier in der Höhe,wo die dichteren Regionen der Luft aufhören, völligeben so gering, als unter den Polen sein. Daher schmilztauch der Schnee auf hohen Bergen nicht, selbst wenndiese unter der Linie liegen, und solche Berge stellen imKleinen Landstriche von gleichem Clima und Naturpro-ducten dar, wie sie die Natur von der Linie bis zu denPolen im Grofsen aufstellt.
Ich habe schon oben bemerkt, dafs die verschiedenenWärmegrade des Sommers und Winters im Ganzen inder Stellung der Erde gegen die Sonne ihren Grund ha-ben ; allein die unregelmäßigen Abwechselungen in der