Tropfijarflüssiger Schwefelwasserstoff. 643
Ihre Anwendung als Reagens in der Chemie ist sehrausgedehnt.
Der Schwefel kann sich auch noch in einem andernVerhältnisse mit dem Wasserstoff verbinden, und giebtdabei einen Schwefelwasserstoff in tropfbarflüs-siger Gestalt. Dieser wird erhalten, wenn man eineconcentrirte Auflösung von Schwefelkalium, welches auskohlensaurem Kali durch Schmelzen mit Ueberschufs anSchwefel bereitet worden ist, in verdünnte Salzsäure in klei-nen Portionen eintröpfelt. Die Radikale der Alkalien ver-binden sich, in der sogenannten Hepar, mit einer nach Ver-hältnifs weit größeren Menge Schwefel, als das Eisen imSchwefeleisen, daher, wenn diese Verbindungen durchSäuren zerlegt werden, sich mehr Schwefel ausscheidet,als erforderlich ist, um mit dem, bei der Oxydation desMetalls frei gewordenen, Wasserstoff Schwefelwasserstoff-gas darzustellen.
Wenn man eine Säure tropfenweise in die hepatischeAuflösung giefst, so schlägt sich Schwefel nieder, indemSchwefelwasserstoff in Gasform entweicht. Wenn manaber umgekehrt, nach der obigen Vorschrift, die hepati-sche Auflösung in die Säure giefst, so tritt der meisteSchwefel mit dem Wasserstoff in Verbindung, und eswird der tropfbarflüssige Schwefelwasserstoff erzeugt.Wenn diese Operation gelingen soll, so müssen die Flüs-sigkeiten weder zu concentrirt, noch zu verdünnt sein,und im lauwarmen Zustande unter stetem Umschüttelnvermischt werden. Es bildet sich dabei ein gelblicher,ölähnlicher Körper, der zu Boden sinkt, und der, wennnicht allzuviel Schwefelwasserstoff in Gasform entweicht,durchsichtig ist. Warum sich dieser Körper nur in einersauren Flüssigkeit bildet, und in einer alkalischen augen-blicklich zerstört wird, können wir jetzt nicht genügenderklären; dasselbe ist aber auch mit dem Superoxyde desWasserstoffs der Fall, indem die Säuren seine Existenzbegünstigen, und die Alkalien die Trennung seiner Be-standtheile befördern.
Der tropfbarflüssige Schwefelwasserstoff zersetzt sich