Druckschrift 
1,2 (1825)
Entstehung
Seite
644
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644 Kolilcnslofl- Schwefelwasserstoffsäure.

nach und nach in Schwefel und in Schwefelwasserstoff-gas, auch in gut verstopften Flaschen, welche davon leichtzersprengt werden können. Sammelt man ihn auf Lösch-papier, so verfliegt erst etwas Schwefelwasserstoffgas, dannaber bleibt eine gelbliche, den Fingern wie Terpenthinanklebende, halbdurchsichtige Masse zurück, die eineneigenen, dem des Schwefelwasserstoffgases unähnlichen,widerlichen Geruch hat, und welche erst nach einigenTagen völlig erstarrt.

Wenn man den tropfbarflüssigen Schwefelwasserstoffnoch in der sauren Flüssigkeit erhitzt, so kann diese ziem-lich lange gekocht werden, ehe er ganz in Schwefelwas-serstoffgas und Schwefel zerlegt wird. Die Dämpfe derkochenden Flüssigkeit, nachdem sie nicht mehr so starknach Schwefelwasserstoff riechen, haben den eigenthümli-chen Geruch der ölähnlichen Verbindung, greifen dieNase und die Augen, beinahe wie Cyangas, an, undsetzen auf kalte Körper eine trübe, milchähnliche Flüs-sigkeit ab.

Die Zusammensetzung dieses Körpers ist noch nichtausgemittelt. Wenn der Wasserstoff darin mit einer derhöchsten Schwefelungsstufe des Kaliums entsprechendenMenge Schwefel verbunden sein sollte, so wäre er darinmit 5mal so viel Schwefel, wie im Schwefelwasserstoff-gase, vereinigt. Da aber, bei der Bildung dieser Ver-bindung, immer etwas Schwefelwasserstoffgas enLbundenwird, so wäre es wohl möglich, dafs er mehr Schwefelenthielte.

Kohlenstoff - Schwefel wasser st off säure. Mitdiesem Namen bezeichne ich eine Verbindung von Schwe-felwasserstoffsäure mit Schwefelkohlenstoff, analog z. B.derjenigen von Fluorwasserstoffsäure mit Fluorbor. Die-ser saure Körper wurde in isolirter Gestalt zuerst vonZeise dargestellt, wiewohl seine Verbindungen mit Salz-basen schon vorher bekannt waren. Er wird nach ZeisesVorschrift auf folgende Weise erhalten: Man sättigt was-serfreien Alkohol mit Ammoniakgas (dessen Bereitungspäterhin beschrieben wird), und löst in einem woiil ver-