Chlorwasserstoffsäure.
611
weilsen Dampf ausstöfst, einen erstickenden, sauren Ge-ruch und einen fressend sauren Geschmack hat. Wird dieTemperatur des Wassers bei oder nahe bei 0° erhalten,und dasselbe bei dieser Temperatur mit dem sauren Gasegesättigt, so kann das spec. Gewicht der Säure bis zu1,21 erhalten werden, und sie enthält dann biszu 464maldas Volum des Wassers an Gas. Bei der gewöhnlichenTemperatur der Luft gesättigt, wird ihr spec. Gewicht1,192. Die Flüssigkeit enthält dann 0,383 ihres Gewichtsabsorbirtes Chlorwasserstoffgas. 1 Th. Kochsalz giebt soviel saures Gas, als 1 Th. Wasser sättigt, dessen Gewichtdabei zu 1,02 vermehrt wird. Die mit Chlorwasserstoff-gas vollkommen gesättigte Säure kocht bei jeder Tempe-ratur über derjenigen, bei welcher sie gesättigt wordenist; aber eine Säure von 1,19 specifischem Gewicht kocht,nach Daltons Versuchen, in Destillationsgefäfsen erst bei-j-60°, wobei sich ihr Gehalt an Chlorwasserstoffgas be-ständig vermindert, während sich allmählich der Koch-punkt bis zu —{- 110° erhöht, worauf die Flüssigkeit un-verändert, und ohne weiter vom sauren Gase etwas abzu-geben, überdestillirt. Das spec. Gewicht der Flüssigkeitist dann 1,094. Kocht man ein Chlorwasserstoffsäure hal-tendes Wasser von einem geringeren specifischen Gewichte,so entweicht das meiste Wasser, bis dafs sich die Säureso concentrirt hat, dafs ihr spec. Gewicht 1,094 gewordenist, worauf sie unverändert überdestillirt.
Die concentrirte Chlorwasserstoffsäure verhält sich zuorganischen Materien gerade so wie die Schwefelsäure;sie schwärzt dieselben und zerstört ihre Zusammensetzung,aber sie übt diese zerstörende Wirkung weniger auf thie-rische als auf vegetabilische Materien aus. In verdünntemZustande ist sie unwirksam, tropft man aber einen TropfenChlorwasserstoffsäure auf Leinen oder Baumwolle, undläfst man die Säure durch Verdampfen sich concentriren,so wird die angefeuchtete Stelle mürbe und zerfällt. Diewäßrige Säure hat bisweilen eine gelbe Farbe. Die ge-wöhnlichste Ursache davon ist etwas zersetzte organischeSubstanz, z. B. Lutum, Kork, oder eine andere zur Zu-