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Cyansäure.
Verbindung mit Kali erhalten, und es gelang wohl, ihreZusammensetzung zu untersuchen und zu bestimmen; aberes gelang nie, diese Säure in isolirtem oder wasserhalti-gem Zustande zu erhalten. Wöhler fand zwar, dalswenn cyansaures Kali mit einer stärkeren Säure vemischtwird, ein erstickend saurer Geruch, ähnlich dem vonconcentrirter Essigsäure, ausgestofsen werde; aber bei kei-nem Versuche gelang es, diese riechende Materie, welcheohne Zweifel ein Antheil verdunstender Cyansäure ist,aufzusammeln, weil sie sich augenblicklich, so wie sie freiwird, zersetzt. Döbereiner giebt an, dafs wenn Harn-säure, Mangansuperoxyd und Schwefelsäure mit einandererhitzt werden, ein Gas entwickelt werde, welches ausKohlensäure und Cyansäure bestehe, und welches, ineinem Alkali aufgefangen, kohlensaures und cyansauresSalz giebt. Es ist aber nicht untersucht, wie sich diesesGas verhält, wenn es mit anderen Reagentien behandeltoder sich selbst überlassen wird. Die Ursache, warumdie Cyansäure auf die gewöhnliche, zur Abscheidung undIsolirung der Säuren angewandte Methode nicht erhaltenwerden kann, liegt darin, dafs sie so zusammengesetztist, dafs, indem sich ihr Kohlenstoff auf Kosten des Was-sers zu Kohlensäure oxydirt, gerade so viel Wasserstoffentwickelt wird, als zur Verwandelung des Stickstoffs inAmmoniak erforderlich ist, und diese Veränderung gehtdeshalb sogleich vor sich, wenn die Säure von einer Ba-sis abgeschieden und von Wasser getroffen wird, wodurchsich die Säure in Bicarbonat von Ammoniak verwandelt.Selbst im Wasser aufgelöstes cyansaures Kali fängt baldan zersetzt zu werden, und giebt Bicarbonat von Kaliunter Ausdunstung von Ammoniak. Giefst man eine Säurein eine wäfsrige Auflösung von cyansaurem Kali, so ent-weicht sogleich Kohlensäure mit Aufbrausen, gerade so,als wenn man Säure mit einem kohlensauren Salze ver-mischt. Einige schwerlösliche Salze erhalten sich besserim Wasser, als das Kalisalz, z. B. cyansaures Bleioxydund Silberoxyd, weil hier die Verwandtschaft der Basezur Kohlensäure weniger wirksam ist.