Man gönne mir , über diese Ehescheidungmeine Reflexionen zu machen. Aus welchemGrunde konnte der Pabst sagen, daß sich dieBulle seines Vorführers nicht anf alle Grade derBlutSverwandschaft erstreckte? Waren dieseGrade seinem Vorführer und selbst Karl demSchönen unbekannt gewesen? Kann man sichdieses von fürstlichen Personen auch nur vernünf-tig denken? Hatte vielcicht Clemens der V. einefalsche und ungiltige Dispmsation ertheilen wol-len, die aus einer rechtmäßigen Ehe einen bloßenConcubinak machte? Wie kann das vorgeblicheHinderniß der geistlichen Anverwandschaft desGetauften mit seiner Pathin, einen sonst gütigenContract, und eine natürliche Verbindlichkeitannulliren? Ist diese metaphysische Verwandschaftnicht eine blosse menschliche Erfindung, erdichtet,um die guten Laycn in einer desto grösser» Abhäng-igkeit zu erhalten- und die Ehre der Fürsten, derGnade des heiligen Stuhles noch mehr zu unter-werfen? Wozu brauchte es so kahle Vorwande,und weit hergesuchte Vorspieglungen, da das La-stcr der Prinzeßinn dem Könige ein ungezweifel-tes Recht gab, diese Ehe zu trennen, und eineandere vorzunehmen? * Der heiligste Vater ver-zeihe mir meinen sündhaften Gedanken, wenn ich
ihn
* Hiüoire Zu Oroit xubllc LccI, kranxoiz,lom. II. x. 57.