Druckschrift 
Ueber das alte Ritterwesen, das falsche Point d'honneur, die wahre Herzhaftigkeit in Rüksicht [Rücksicht] auf die Duelle und die Nothwendigkeit einer guten Erziehung : Mit einigen kriegswiss. Bemerkungen ...
Entstehung
Seite
158
Einzelbild herunterladen
 

lZ8-

Der Odersiuß schwell an diesem Tage so schr an, daß erseine meinen Damme durchbrach, zwey Drircheilc seinergroßen Brüte abriß und wegführte, und die grausamstenVerwüstungen anrichtete. Die Lebuscr Vorstadt stund ganzumcr Wasser, mehr als go Häuser wurden ein Raub derwütenden Fluchen und verschwanden, noch mehrere drohtenden Einsturz. Die meisten Einwohner jener Vorstadt muß-ten ihre Ansucht auf den wankenden Dächern oder aufBaumzweigcn nehmen, wo sie erbärmlich nur Hülfe riefen.Man suchte sie auf Kähnen zu retten, so schr sich auch dieSchiffer der unaufhörlichen Gefahr äusserten. Man retteteso lang man immer konnte. Die Vc wüstung war schrck-lich anzusehen, welche die tobenden und rcissenbcn Fluchen,wohin man nur blikre, weit »»'.her sprudelten. Deut men-schenfreundlichen Herzog war cd nicht genug, nur vonferne nach dem Schauplaz dieses JammcrS hinzublikcn,oder sich von Stund zu Stund Nachricht davon bringenzu lassen; sein thcilnehmcndes edles Herz drang ihn, sichdein Schanplaze selbst zu nähern, und nicht nur einen Au-genzeugen, sondern einen Thcllnehmer und thätigen Helferdabey abzugeben. Er kam um die Mittagsstunde an daSUfer. Das Elend und die Elenden umringten ihn. SeinHerz empfand tief den Jammer, der ihn umringte, indes-sen auf die Elenden auS seinen mitleidsvollen Augen Bükeder Thcilnehmung umhersimkelten. Eine Mutter wirft sichdem Prinzen zu Fußen und flehet, Er mochte doch Befehlgeben, ihre Kinder, die sie vor Schrecken in ihrer Woh-nung zurükgelaffen hätte, noch zu retten. Auch einige Sol-daten riefen ihn um Anstalten zu ihrer Hülfe an. Alsbald— gibt der Prinz Befehl? — Nein! Er selbst sucht einenKabn auf; aber Niemand will sich allein — Niemand mitdem Prinzen in die gefährlichen Fluchen wagen, so vielGeld er auch bietet. — Der Jammer und die Klagen der

k