Druckschrift 
Ueber das alte Ritterwesen, das falsche Point d'honneur, die wahre Herzhaftigkeit in Rüksicht [Rücksicht] auf die Duelle und die Nothwendigkeit einer guten Erziehung : Mit einigen kriegswiss. Bemerkungen ...
Entstehung
Seite
48
Einzelbild herunterladen
 

43

weniger die Gelübde, die der Ritter oft that; z. B. aufeine gewisse Zeit an keinem Hofe, in keiner Burg, ja inkeinem Berte, sondern im Walde > auf Gottes freyem Bo-den zu übernachten; ( S. wielands Gers« der Adelich)den Harnisch zog ohncdieß nicht leicht ein Ritter ab. l)nCneslin, als er vor klcmt-outour lag, schwur, kein Fleischzu speisen, und sich nicht zu entkleiden, bis der Plaz würdegewonnen seyn. Die Damen selbst legten ihnen oft strengeWüstungen und Proben auf, und masen ihre Gunstbezeu-gungen nach deut mehr oder weniger siräklichen Diensteiferihrer Paladine. ES ist sonderbar, was für Launen sieschon damals oft hatten. Einer gewissen Dame sielein, sie möchte einen Engländer sehen. Ihr Ritter Lcmne-lucs trat sogleich Lid Fahrt an, und machte vcrschicdneGefangene, die er 'nach rlicmferraiid brachte, wo sichdie Dame mit ihren Verwandten aufhielt.

Uebrigcns wapen Gastfrcyheit, Großmut!-, Milde, beyden Rittern Tugenden, die wie Zweige aus dem , Stammder übrigen hervorspringe» mußten. Gastfrcyheit ist ohne-hin eine Tugend, die nur auf dem Boden der Nichckultur oder wenn man will, der Barbarey zu Hause zu seynscheint. Die großen Herren hängten Helme an die Dächerund an die Zinnen ihrer Schlosser, zum Zeichen der Gast-freyheit auf.

Was wir bisher vom Rittergeist geredet haben, betrafzwar nur das Allgemeine, wird aber doch hinlanglichscyn, um zu zeigen, daß er meistens den S empel der Bar-bar-ey an sich trug, und die meisten seiner Züge das Geprägeder Schwärmerei) an sich hatten. Welche abergläubische,dunlle und verkehrte Begriffe mußt- man nicht damals vondem Geiste des Christenthums haben, wenn man bey derAusnahme eines Ritters ihn konnte schwören lassen, den