B46 Viertes Hanptstück. Von den Mitteln znr Vollkommenheit, und zwar von dem letzten derselben.
an, sprechend: „Du magst hingehen, mein Sohn; aber ver-giß nicht, daß du der Sohn eines Königs bist!" So ruftuns auch Christus zu: Vergesset nicht, ihr Christen! daßihr Kinder Gottes seid! Vergesset es besonders nicht beieuren Vergnügungen! Wählet darum keine Freude, die vonGott oder eurem Gewissen verdammt wird! Seid mäßig imGenüsse, damit ihr eure Christenwürde nicht entehret!
Fr. Wie soll endlich unserumgang mit demNächsten beschaffen sein?
AntW. 1) Freundlich und 2) vorsichtig.
Belehrung und Beispiele. Im Umgänge mitunserm Nächsten müssen wir 1) freundlich sein. Wenndu auch noch so tugendreich bist, aber immer ein saueresGesicht machest und verdrießliche Worte sprichst, so wirst dudie Leute von dir und von der Tugend verscheuchen; durchFreundlichkeit aber wirst du gar viele Herzen gewinnen.Daher pflegte der heilige Ignatius zu sagen: „Ein un-schuldiges und heiliges Leben führen, ist zwar an sich einsehr kostbares Gut und allem Andern vorzuziehen; aberes wird immer als ein großer Mangel anzusehen sein, wennman nicht lernt, die Menschen mit Klugheit und auf dierechte Weise zu behandeln." Und ganz treffend ist derAusspruch eines frommen Lehrers, der also lautet: „Laßtuns haben das Herz eines Kindes gegen Gott, das einerMutter gegen den Nächsten, und das eines Richtersgegen uns selbst!" Wie eine Mutter also sollen wiruns gegen den Nächsten benehmen, voll Liebe und Teil-nahme; gegen uns selbst sollen wir sein wie ein Richter,der keine Schuld übersieht; gegen Gott wie ein Kind —dcmüthig, aufrichtig und voll Vertrauen. — Im Umgängemit Andern müssen wir aber auch 2) vorsichtig sein,damit wir nicht auf irgend eine Weise zum Bösen verführtwerden; denn das Gute lernt man von den Guten, sowiedas Böse von den Bösen. Der Umgang mit jenen ist daherdie beste, mit diesen die schlimmste Schule. Dieses bedenkend,gab der heilige Franz Seraph seinen Jüngern, wenn ersie zum Predigtamte in die weite Welt hinanssandte, ge-wöhnlich die Ermahnung niit auf den Weg: „Brüder! auchin der Welt draußen müssen wir innig und andächtig leben,wie in der Zelle. Die Seele muß der Einsiedler, der Leibdie Zelle sein; der Einsiedler in dieser Zelle muß Gott be-ständig anhangen und vorsichtig in seiner heiligen Zurückge-zogenheit verweilen, um nicht in den Gefahren der Welt zuGrunde zu gehen." — Freundlichkeit und Vorsicht sollstalso auch du, m. Chr.! stets in deinem Gefolge haben,wenn du mit deinem Nächsten umgehst.
Legende: Der heilige Papst Silvestertt 335).
In dieser Beziehung gibt uns auch der heiligeSilvester, dessen Fest ans den heutigen, den letzten
er war äußerst freundlich und liebevoll im Umgängemit Andern, aber zugleich auch vorsichtig. Jnsbesonderswird er als ein großer Freund und Wohlthäter derArmen gerühmt. Silvester stammte aus einer an-sehnlichen römischen Familie und wurde i. I. 314 aufden päpstlichen Stuhl erhoben. Den Frieden, welchen dieKirche unter seiner Regierung genoß, benützte er zu dennützlichsten Anstalten; und als dieser schöne Friede,leider! durch die so verderbliche Irrlehre des Arius ge-stört wurde, widerstand er der Gottlosigkeit und sorgtefür die Erhaltung des Glaubens. Zu diesem Zweckewurde i. I. 325 das berühmte Concilium zu Nicäa abge-halten, bei welchem jedoch der heilige Silvester Alters-wegen nicht persönlich erscheinen konnte. Nach vielen Sor-gen und Arbeiten für die Kirche Gottes vollendete dieserHeilige sein irdisches Leben am 31. Dezember 335.
Gebet. Wir bitten dich, allmächtiger Gott! ver-mehre auf die Fürbitte des heiligen Silvester unfernEifer im Guten, damit wir in der Tugend und Voll-kommenheit immer mehr zunehmen, so daß einst derletzte Tag unsers Lebens der Anfang unsrer Seligkeitim Himmel sei, durch Christum unfern Herrn. Amen.