Am Feierabende des 1. Dezember.
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schreibt der heilige Augustin: „Sünde ist jeder Gedanke,jedes Wort, jede That wider die bessere Ueberzeugung, diein uns wohnt;" 2) man kann aber auch fündigen durch Un-terlassung desGuten, das man zu thun schuldigist, und diese Unterlassungssünden sind nicht minder schwerund strafbar, als die Uebertretungssünden, obschon man sieleider nur zu oft wenig beachtet. Daher sagt auch der gött-liche Heiland (Luk. 12, 47.): „Der Knecht, der den Willenseines Herrn gekannt, und nicht get Han hat, was erwollte, wird viele Streiche bekommen." Christus sagt hiernicht: „Ein Knecht, der den Willen seines Herrn weiß undBöses thut," sondern: „Der den Willen des Herrnnicht thut, also durch Unterlassung sündigt, wird mitvielen Streichen gezüchtigt werden." Dieser Ausspruch desHerrn gilt allen jenen Eltern, die lau und nachlässig sindin Erfüllung ihrer Berufs- und Standespflichtcn, die nichtsür das Seelenheil ihrer Kinder sorgen, sie nicht zum Guten,zum Gebete u. s. w. anhalten; dieser Ausspruch gilt auchjenen Dienstboten, die nachlässig oder saumselig sind imDienste Gottes oder im Dienste ihrer weltlichen Herrschaft;er gilt ferner allen Christen, welche die ihnen von Gott an-gebotenen Talente und Gnaden nicht benützen. Zu allendiesen wird einst der göttliche Heiland dieselben Worte spre-chen, wie zu dem unnützen Knecht, der mit seinen Talenten
Nichts gewonnen, also unterlassen hatte, was er hättethun sollen, die Worte nämlich: „Den unnützen Knechtwerfet in die äußerste Finsterniß hinaus, wo Heulen undZähneknirschen sein wird!" (Matth. 25, 27.)
Fr. Sind alle Sünden gleich groß?
Antw. Nein; es gibt schwere oder Todsün-den, und geringere oder läßliche Sünden.
Belehrung. Nicht alle Sünden sind gleich groß;denn es gibt 1) schwere Sünden, die man auch Tod-sünden nennt, wenn man nämlich das göttliche Gesetz ineiner wichtigen Sache freiwillig Übertritt. Man heißtsie Todsünden, weil die Seele dadurch das übernatürlicheLeben, d. h. die heiligmachende Gnade verliert und sich desewigen Todes oder der Berdammniß schuldig macht; denn„wenn die Sünde vollbracht ist," sagt der heilige ApostelJakobus (1, 15.), „so gebiert sie den Tod," und derheilige Johannes sagt von einem Menschen, der in derTodsünde lebt: „Du hast den Namen, daß du lebest, undbist todt." (Offenb. 3, 1.) Mit Recht wird ein Jeder,der schwer gesündigt hat, mit einem Todten verglichen;denn das Edlere, das Unsterbliche in ihm ist todt; undwenn Der lebt, der schuldlos, frei von sträflichen Gelüstenund Neigungen ist, und Nichts will, als was Gott will, soist Der, der Böses thut und von argen Gedanken gequältwird, geistlich todt. — Es gibt 2) geringere oderläßliche Sünden, wenn man das göttliche Gesetz ent-weder nur in einer geringen Sache oder nicht ganzfreiwillig Übertritt, indem von Seite des Verstan-des die genügsame Erkenntniß des Bösen oder von Seitedes Willens die volle Zustimmung oder Einwilligungfehlt. Man heißt diese geringen Sünden läßliche, weilman von Gott in Ansehung der menschlichen Gebrechlichkeit ^und der Leichtigkeit, womit man sie begeht, leichter und auchohne die Beicht Nachlassung derselben erlangen kann. —Dieser Unterschied zwischen Tod- und läßlichen Sündenist schon in der heiligen Schrift begründet; es werden danämlich einige Sünden mit Splittern, andere mit Bal-ken verglichen (Matth. 7, 3.); in den Sprüchw. (24, 16.)heißt es, „daß auch der Gerechte siebenmal fällt, und derheilige Apostel Jak ob us (3, 2.) schreibt: „Wir Alle stoffenin gar vielen Dingen an." — Jndeß sollen wir keineSünde gering achten; vielmehr sollen wir jede Sünde, siemag schwer oder gering (läßlich) sein, als das größte Uebelauf Erden fürchten und sorgfältig meiden; wie der ägyp-tische Joseph so sollen wir vor jeglicher Sünde zurück-