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Christkatholisches Haus- u. Familienbuch in Wort u. Bild
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Am Feierabende des 20. September.

ZweilMdertdreiimdsechzigstes Lesestück.

Am Feierabende des 20. September.

Pom Aberglauben im Allgemeinen und von der Wahrsagereiinsbesonders.

Fr. Wann versündigt man sich durch Aber-glauben?

Antw. 1) Wenn man Gott oder die Heiligen anseine Weise verehrt, die der Lehre oder dem Gebraucheder Kirche entgegen ist; 2) wenn man Dingen eine ge-wisse Kraft zuschreibt, die sie weder von Natur, nochdurch das Gebet der Kirche oder vermöge göttlicher An-ordnung haben.

Belehrung. Man versündigt sich also durch Aber-glauben: 1) Wenn man Gott oder die Heiligen un-ordentlich verehrt. Es gibt viele Menschen, die auffalsche und überflüssige Andächteleien mehr halten, als aufwahre innere Andacht, — die allerlei Gebete beten, dieweder kirchlich noch geistreich sind; Menschen, die da glauben,daß sie nicht verdammt werden können, wenn sie alle Tageein gewisses Gebet verrichten, oder wenn sie sechs heiligeMessen lesen lassen, mag auch im Uebrigen ihr Lebenswandelnoch so schlecht sein; Menschen, die da glauben, durch Hilfedes Weihwassers sich gegen alle Angriffe des bösen Feindessichern zu können, dabei aber das sündhafte Wohlgefallen imHerzen mit Freuden nähren; Menschen, die heilige Sachentragen und sich dadurch unfehlbar gegen jedes Unglück ge-schützt wähnen, u. s. f. Daß dieß ein sträflicher Aberglaubesei, geht daraus hervor, weil man nicht auf Gott, sondernauf Sachen vertraut, und bei diesem falschen Vertrauen nichtselten in Sünden und Lastern fortlebt. — 2) SträflicherAberglaube ist es auch, wenn man Dingen eine ge-wisseKraft zuschreibt, die sie weder vonNatur,noch von der Kirche oder vermöge göttlicher An-ordnung haben. So nützlich und heilsam cs ist, wennman im Geiste und nach dem Sinne der katholischen Kirchegeweihte Sachen bei sich trägt, z. B. geweihte Kreuze, Me-daillen, Amulette u. dgl., um durch den Anblick derselbenzum Gottvertrauen angeeifert zu werden oder durch die Für-bitte der darauf vorgestelltcn Heiligen in Noth und Gefahr,wenn es Gott will, Hilfe zu erlangen, so sündhaft ist cshingegen auch, wenn man auf diese Sachen ein allzugroßesVertrauen setzt und davon sogar Hilfe bei gottlosen Unter-nehmungen erwartet.

Beispiel und Anwendung. Einen solchen gottlosen,abergläubischen Gottesdienst, wenn ich so sagen soll, treibteine gewisse Art von ruchlosen Räubern in Italien. Diesetragen Muttergottcs - und Heiligenbilder bei sich und verehrengar andächtig unsere liebe Frau, auf daß ihnen durch ihreHilfe doch ein reicher Wanderer begegnen möge, den sie umbringcnund ausrauben könnten. Und ist ihnen dieß gelungen, sobedanken sie sich bei der Heiligen; wo nicht, so zerreißen siedie Bilder oder zerschlagen sie, weil sie ihnen nicht verhilflichwaren. Ebenso muß sie das Heiligenbild auch ans je' erGefahr herausreihen; und wehe ihm, wenn der Erfolg demWunsche nicht entspricht! — Kann der Herr an einem solchenGottesdienste ein Wohlgefallen haben? Muß das nicht viel-mehr ein Gräuel in seinen heiligen Augen sein?

Fr. Welche Art von Aberglauben kommt besondershäufig vor?

Antw. Die Wahrsagerei, wodurch man Ver-borgenes oder Zukünftiges erfahren will, indem manWahrsager um Rath fragt, sich die Hand beschauen,Karten schlagen läßt, sich an Tranmdeutereien oder aneitle, nichtige Zeichen hält.

Belehrung. Gott hat dem Menschen wohlweislichdie Zukunft verhüllt; Nichts darf und kann diesen Schleierlüsten. Dessenungeachtet lassen sich Viele von einer sünd-haften Neugierde hinreißcn und möchten so gerne der göttlichenWeisheit vorgreifen und in die ferne Zukunft schauen undwissen, welch ein glückliches oder unglückliches Loos sie einsttreffen, welch eine gute Partie sie machen, wann sie sterbenwerden u. s. f. Wie thöricht, wie schändlich ist nichtdiese Sünde! 1) Sie ist thöricht; denn wie sieht es mitden Wahrsagern aus? Sie bedienen sich zu ihrer Wahrsagcreieines sogenannten Glücksrades, eines umgekehrten Siebes,einer Schüssel oder Tasse, in welcher der Kaffeesatz zurück-geblieben ist, Kartenblätter, die sie aufschlagen; oder sieverkünden dem Menschen sein Schicksal aus den Zügen undStrichen seiner hohlen Hand u. s. f. Sind das nicht dietollsten Possen? Was wissen all diese Dinge von der Zukunft?Welch ein Thor also, der einem Wahrsager glaubt! — Wohlwaren auch die Propheten und andere große Heilige Gottesmit der Gabe der Wahrsagung ausgerüstet; allein sie warenes im Namen und aus Offenbarung Gottes, der sie gesendetund ihnen die wahre Kenntniß der Zukunft ertheilt hatte. —2) Die Sünde der Wahrsagerei ist auch äußerst schändlichund verderblich, sowohl für Den, der wahrsagt; denndieser macht sich gleichsam zu einem Gotte und raubt demHerrn die Allwissenheit; als auch für Den, der sich wahr-sagen läßt; denn er hält den Wahrsager gleichsam für