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Christkatholisches Haus- u. Familienbuch in Wort u. Bild
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610
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Viertes Hanptstiick. Von den Versündigungen gegen die Gott schuldige Verehrung :c.

„Höret Ihr so die heilige Messe an? Lasset Euch an meinemHofe nicht mehr sehen!" Dieß einzige Wort war für Beideein Blitzstrahl. Der Eine starb zwei Tage nachher, undder Andere wurde ein Narr. — Ach, wie oft dürfte manin der Kirche eine ähnliche ernstliche Rüge gegen alle Jeneaussprechen, die sich im Tempel Gottes ohne alle Ehrer-bietung zeigen!

Legende: DerheiligeErzbischofThomas vonVillanova ('s 1555).

Ein ganz anderes Betragen im Hause Gottes legteder heilige Thomas von Villanova, dessen Festheute gefeiert wird, an den Tag; er war ebenso sehr einMuster der Andacht und Frömmigkeit, als er ein Vaterder Armen war. Als der Sohn wohlhabender, gottes-fürchtiger un wohlthätiger Eltern wurde er unweitVillanova in Castilien i. I. 1488 geboren. Schon infrühester Jugend ahmte er gerne die Wohlthätigkeit sei-ner Eltern nach und vereinigte mit dieser schönen Tugendauch noch Gottesfurcht. Sanftmuth, Demuth, Gehorsam,Arbeitsamkeit, Herzensreinheit, Abtödtung und besondersandächtige Verehrung der Mutter Gottes. Ausgerüstetmit den trefflichsten Geistesgaben gewann der junge Manneinen Reichthum an Wissenschaft und Gottesfurcht, sodaß er im achtundzwanzigsten Lebensjahre als öffentlicherLehrer an die Universität Salamanca gerufen wurde.Der hier nöthig gewordene Verkehr mit der Welt wurdedem frommen Manne bald lästig, so daß er in denOrden der Eremiten des heiligen Augustin eintrat.Hier war Thomas ein Muster der Bußstrenge, Selbst-verlängnung und jeder Art von Tugend; nacheinanderwurden ihm auch alle Aemter seines Ordens übertragen.

Vieles that er da zur Hebung des geistlichen Lebens.Als Kaiser Carl V. ihn zum Erzbischöfe von Granadaernannte, wußte Thomas Alles in Bewegung zu setzen,um diesem Amte zu entkommen. Nicht mehr gelang esihm aber i. I. 1544, wo er Erzbischof von Valenciawerden mußte auf Befehl seiner Kloster-Oberen undnach dem Willen des Kaisers. Als Erzbischof änderteThomas durchaus Nichts in der Armuth des Eremiten-Ordens, und hatte in seinem Einkommen eine reiche,ihm willkommene Quelle zur Wohlthätigkeit jeder Art,die er im höchstmöglichen Grade übte, so daß er seineigenes Bettlager vor seinem Tode schon verschenkt hatte.Im elften Jahre verwaltete Thomas das bischöflicheAmt mit heiliger Gewissenhaftigkeit, als er den Herrn bat,desselben enthoben zu werden. Er starb am 7. September1555. Seine Heiligsprechung erfolgte i. I. 1658.

Gebet. O Gott, der du dem heiligen Thomaseine besondere Glut der Andacht und ein inniges Mit-leiden gegen die Armen in das Herz gelegt hast, wirbitten dich, gieß die Schätze deiner Barmherzigkeit auchüber uns aus, damit wir dich äußerlich und innerlich,mit Herz und Mund anbeten, loben und Preisen mögen,der du lebest und regirest in alle Ewigkeit. Amen.

Zweihimdertzwenmdsechzigstes Lesestürk.

Am Feierabende des 19. September.

Von den Versündigungen gegen die Gott schuldige Verehrung,und zwar von der Abgötterei.

Fr. Wie kann man sich versündigen gegen dieGott schuldige innerliche Verehrung?

Antw. Ans die mannichfaltigste Weise, z. B. durchUn- und Irrglauben, durch Vermessenheit, durch Miß-trauen oder durch Verzweiflung, durch Undank nud Lauig-keit, durch Abgötterei, Aberglauben, Zauberei, Gottes-raub und Simonie.

Belehrung. Wie man sich nach der Erklärung imgestrigen Lesestück gegen die äußerliche Verehrung Gottesversündigen kann, so auch und zwar noch viel mehr gegendie Gott schuldige innerliche Verehrung. So kann mansich 1) gegen den Glauben versündigen durch Unglauben,Irrglauben, durch freiwillige Glaubenszweifel, durch Redenund Schriften gegen den Glauben, sowie durch Gleichgiltigkeitgegen denselben; 2) gegen die Hoffnung durch Verzweif-lung oder Mißtrauen oder durch Vermessenheit und falschesVertrauen; 3) gegen die Liebe Gottes durch Bosheit,durch Undank, durch Lauheit und Kaltstnn, durch Haß und