Druckschrift 
Christkatholisches Haus- u. Familienbuch in Wort u. Bild
Entstehung
Seite
604
Einzelbild herunterladen
 

604 Viertes Hauptstück. Von den zehn Geboten Gottes überhaupt und von der Beobachtung derselben.

Wächter darauf." Befolge auch du, mein christlicherLeser! diesen Rath, und du wirst den mächtigsten und ge-fährlicksten Feind in dir, die sündhafte Eigenliebe, besiegen,wie die heilige Wittwe, deren Andenken wir heute feiern.

legende: Die heilige Wittwe Katharina vonGenna (ch 1510).

Diese heuige war eine Tochter des VicekönigsJakob Fieschi von Neapel und wurde 1447 zu Gennageboren. Schon im achten Jahre ihres Alters bemerkteman an ihr klare Kennzeichen künftiger Heiligkeit, undim dreizehnten Jahre verlangte sie inständigst in einKloster zu gehen nnd daselbst für immer zu bleiben.Allein ihres zarten Alters wegen verweigerte man ihrdie Aufnahme. Sechzehn Jahre alt, mußte sie sich nachdem Willen ihrer Eltern mit Julian Adorno, einemzwar adeligen und reichen, aber ganz weltlich gesinntenJüngling vermählen; daher haßte nnd verfolgte dieserausschweifende junge Mann gar bald seine stille, frommeGattin. Darüber verfiel sie in einen solchen Trübsinn,daß sie fünf Jahre lang alle Gesellschaft mied und inihrem Zimmer verschlossen fast wie in der Einsamkeitlebte. Auf Anrathen einiger Freunde ließ sie sich jedochnach Ablauf dieser Zeit bewegen, manche Ergötzungenund Lustbarkeiten der Welt mitzumachen. Und siehe da,alsbald fing der Weltsinn nnd die Eigenliebe sich zuregen an, nnd es fehlte nur wenig, daß sie nicht ganzirdisch gesinnt wurde und ihrem früheren frommen Lebenentsagte. Da nahm sich aber der liebe Gott wiederumseiner Dienerin an und führte sie durch eine reuigeBeicht ans die frühere Bahn der Tugend wieder zurück.Und nun lebte sie ganz das Leben einer Heiligen. MitMacht unterdrückte sie durch Beten und Fasten, ja, durchdie strengsten Abtödtnngen jede Regung des Weltsinnes

nnd der Eigenliebe und ertrug mit Gevnld die Leidenihres unglücklichen Ehestandes. Unablässig betete siezu Gott für ihren beklagenswerthen Ehemann, und alsdieser in Folge seiner Ausschweifungen gefährlich erkrankteund keine Hoffnung auf Rettung mehr übrig war, soflehte sie zum Herrn nur um diese Eine Gnade, daßer die Seele dieses Unglücklichen doch auf dem Sterbe-bette noch retten möchte. Ihr Gebet ward erhört; dennjener starb mit allen Zeichen eines begnadigten Sünders.

Nun verdoppelte Katharina im Wittwenstandeihren bisher bezeigten Eifer in Uebung der Frömmigkeitund guten Werke; im wahren Sinne des Wortes ent-brannte jetzt ihr Herz von Liebe zu Gott, so daß diesesFeuer der Liebe sogar an den äußerlichen Gliedern be-merkbar wurde. Um ihr Verlangen nach Leiden zu er-füllen, schickte ihr Gott in den letzten Jahren ihres Lebensverschiedene schmerzliche Krankheiten, in denen sie Gelegenheit fand, ihre christliche Geduld zu erproben. Und sobeschloß sie ihr Leben und Leiden am 15. September 1510.Ihre Heiligsprechung erfolgte i. I. 1737 unter PapstClemens XII.

Gebet. Verleihe uns, o Gott! Kraft und Stärke,damit wir die sündhafte Eigenliebe in unserm Herzenunterdrücken und von jener heiligen göttlichen Liebe ent-zündet werden mögen, von welcher das Herz deinerfrommen und treuen Dienerin Katharina erglühte,

durch Christum unfern Herrn. Amen.

Zweihundertneummdsünszigstes Lesestück.

Am Feierabende des 16 . September.

Don den zehn Geboten Gottes überhaupt und von der Beobachtungderselben.

Fr. Bisher haben wir von der Gottesliebe, vonder Nächsten- und von der Selbstliebe gesprochen; woist nun aber Das, wie wir Gott, den Nächsten nnd unsselbst lieben sollen, ausführlicher enthalten?

Antw. In den zehn Geboten, welche Gottselbst unter Donner und Blitz ans zwei steinernen Tafelndurch Moses dem israelitischen Volke auf dem BergeSinai gegeben hat. (Sieh das nachfolgende Bild!)

Belehrung. Da die Gebote Gottes uns ausführlicherzeigen, wie wir besonders Gott und unfern Nächstenlieben sollen, so waren sie auf zwei Tafeln geschrieben; aufder einen standen die drei ersten Gebote von der Liebe undVerehrung Gottes, auf der zweiten die sieben andern vonder Liebe des Nächsten. Auf steinernen Tafeln aberwaren sie geschrieben, um den Menschen auch äußerlich vor

I