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Viertes Hauptstück. Von der Beobachtung der Gebote.
„in Dem, der uns stärkt, können wir Alles." Deßhalbschreibt schon der heilige Augustinus: „Gott gebietetnichts Unmögliches; wenn er dir Etwas befiehlt, so ermahnter dich zu thun, was du vermagst, und um Das zu bitten,was du nicht vermagst, worauf er dir hilft, damit dues vermagst."
Fr. Woraus erkennen wir, daß wir die Gebotehalten können?
Antw. Daraus, 1) weil sie uns Gott selbst ge-geben hat und ihre Übertretung mit ewiger Pein be-straft, 2) weil es zu jeder Zeit Heilige gab, die sietreu beobachtet haben.
Belehrung. Wir sind im Stande, Gottes Gebotezu beobachten, 1) weil sie uns der weise, gütige undgerechte Gott selbst gegeben hat. Wäre eS also mitseiner Weisheit und Güte vereinbar, wenn er uns Ge-bote gegeben hätte, die Niemand beobachten könnte? Undwie strenge straft Gott nicht die Uebertreterseiner Gebote! Dieß wäre offenbar gegen GottesGerechtigkeit, wenn der Mensch nicht im Stande wäre,Gottes Gebote zu halten. Darum sagt der heilige Au-gustin: „Wir verfluchen die Lästerung Jener, welche sagen,Gott gebiete uns etwas Unmögliches, und Niemand könnedie Gebote GotteS beobachten." Auch das heilige Conciliumzu Trient bestätigt diese Worte des heiligen Augustinus.2) weil die Heiligen Gottes, obwohl sie Menschenwie wir waren, dieselben stets treulich beobach-teten. Seit Erschaffung der Welt bis auf diese Stundehat es keine Zeit gegeben, in welcher nicht unzählige Menschendie Wege der göttlichen Gebote wandelten. Warum sollenwir diese Gebote nicht erfüllen können? Auch sie warenvon Fleisch wie wir, von zarter LeibeSbeschasfenheit, wie wir,Einige noch empfindlicher als wir; warum sollen wir ihremBeispiele nicht Nachfolgen können?
Beispiele und Anwendung. Schon die Frommendes A. B. haben die Gebote Gottes genau beobachtet.Abraham wurde stets treu erfunden in der Beobachtungder Gebote; Josue wandelte nach dem Worte des Herrn;Zacharias und Elisabeth „wandelten in allen Gebotenund Satzungen des Herrn tadellos" (Luk. 1, 6.) u. s. f.Und was waren alle Heiligen Gottes im N. B. anders, alstreue Beobachter der göttlichen Gebote? Sie scheuten dieMühe nicht, die mit der Erfüllung derselben verbunden war,und so wurde ihnen das Joch der göttlichen Gebote allmähligleicht und sogar süß und angenehm. Wir sehen dieß inSbe-bssondcrs beim heiligen Augustin. Dieser war früher ein
Anhänger der Welt und der Sünde, ein Feind der Tugend;er hielt es für unmöglich, sich unter das Joch Christi zubeugen und die göttlichen Gebote zu beobachten, und wälztesich so im Schlamme der Sünde und des Lasters. Als eraber späterhin die Wege der Gottlosigkeit und des Verderbensverlaßen und zu seinem Gott wieder zurückgekehrt war, dasah er es ein, wie leicht, wie süß es sei, mit Gottes Gnadedie Bande und Fesseln der Tugend zu tragen. „Fürwahr!" alsorief er aus, „mit welcher Leichtigkeit beugte ich, unterstützt vondeiner göttlichen Gnade, meinen Nacken unter das süße JochbeinesGesetzes, und entzog mir jene schimpflichen Genüsse, deren Sklaveich auf eine ausgelassene Weise war! Die Keuschheit hattemir Etwas ganz Unmögliches geschienen, unmöglich schien esmir, daß ich ohne die schmutzigen Vergnügungen der Sinneje leben könnte; aber wie süß ist es mir jetzt, daß ich ihrerentbehre und beraubt bin! Welche heilige Freude, welcheSüßigkeit empfinde ich, das Alles nun zurückzuweisen, wasich zu verlieren so sehr gefürchtet habe." — Siehe, meinChrist! so leicht, ja so lieblich uud angenehm wurde denHeiligen die Erfüllung der göttlichen Gebote; sage also janicht, daß die Beobachtung derselben für dich zu schwer oderwohl gar unmöglich sei; auch sie waren Menschen, wie du;was sie konnten, das wirst auch du können mit der Gnadevon Oben. Also nur frisch an's Werk!
Legende: Der heilige Raimund us Nonnatus(i 1240).
Machen wir es wie der heilige Raimund»s Non-uatus aus Catalomen, dessen Andenken heute die Kirchefeiert. Die größte Freude und Wonne war ihm dieErfüllung der göttlichen Gebote; besonders aber übte erdas Gebot der christlichen Nächstenliebe auf eine ganzwunderbare Weise. Denn gerührt von dem Elende der