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Christkatholisches Haus- u. Familienbuch in Wort u. Bild
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511
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Am Feierabende des 7. August. 5!1

jeder Salbung spricht er, je nach dem Thcile, welcher gesalbtwird, die Worte: „Durch diese heilige Salbung unddurch seine mildreichste Barmherzigkeit vergebedir der Herr alles Böse, das du mit den Augen,dem Gehöre oder Gerüche, dem Geschmacke oderGefühle begangen hast!" Wie furchtbar für die Hölleist der christliche Streiter, der so auf allen seinen Gliederndas schreckliche Zeichen trägt, welches den Teufel und dieWelt sammt all ihrer Macht besiegt hat! 7) Nach Bollen-dung der Salbungen reiniget sich der Priester die Fingermit einer Brodkrume, wäscht seine Hände und läßt das Was-ser, sowie die Knäulchen, die zum heiligen Oele dienten, in'sFeuer werfen. Gemeine Hände dürfen diese Gegenstände nichtanrühren, weßhalb sie nach dem Willen der Kirche verbranntwerden. 8) Wiederholt fleht nun der Priester in drei Ge-beten um die geistliche und leibliche Wohlfahrt des Krankenund macht darauf, um sie durch die Verdienste des gekreu-zigten Heilandes zu erbitten, mit einem Kruzifixbilde mehr-mal das Kreuzzeichen über den Kranken, wobei er spricht:„Unser Herr Jesus Christus sei bei dir, dich zu beschützen,— in dir, dich zu erquicken, — neben dir, dich zu er-halten, — vor dir, dich zu führen und zu leiten, —hinterdir, dich zu stärken, >— über dir, dich allenthalben zubeschützen und zu segnen! Der heilige Geist komme über dichherab und verbleibe bei dir!" Hiedurch wird zu verstehen ge-geben, daß Jesus der Gekreuzigte dem Kranken Alles inAllem sein müsse und wirklich sei. S) Endlich, nach einigenkurz wiederholten Seufzern um Verzeihung aller Sünden, umBefreiung von allen Schwachheiten, um Bewahrung vor demUntergange, um Erfüllung jedes Verlangens für den Kran-ken, legt der Priester seine rechte Hand auf das Haupt des-selben und spricht: „Es heile dich Gott der Vater, welcherdich im Fleische erschaffen hat! Es heile dich Gott der Sohn,welcher für dich am Kreuze gelitten hat! Es heile dich derheilige Geist, welcher dir in der Taufe eingegossen wordenist! Die heilige, glorwürdige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott,wolle seine Gnade durch Wohlfahrt des Leibes und der Seelein dir vermehren, dich von allem Nebel befreien und imGuten allezeit stärken!" — In so sinnreicher, kräftiger Weisespendet die Kirche Gottes das so tröstliche Sakrament derSterbenden aus, die heilige Oelung. Wer erkennt in die-sem wunderschönen Ritus nicht die unendlichen ErbarmungenGottes und die zärtliche, von der Wiege bis zum Grabereichende Mutterliebe der heiligen katholischen Kirche?

Fr. Welche Vorbereitungen soll man im Kranken-

zimmer, wo die heilige Oelung und überhaupt dieheiligen Sterbsakramente gespendet werden sollen,treffen?

Antw. Ungefähr folgende: Man reinige das Zim-mer des Kranken; denn ein so himmlischer Gast, wieChristus im heiligen Sakramente, verdient allerdingseine besondere Aufmerksamkeit. Wo möglich überzieheman das Bett des Kranken mit reinlicher Wäsche; be-decke einen Tisch mit weißem Tuche, stelle ein Kruzifix,zwei Leuchter mit brennenden Kerzen hin und ein Gefäßmit Weihwasser. Alsdann erwarte man den Priester!

Fr. Wie soll sich der Kranke benehmen, wennihm der Priester die letzte Oelung ertheilt?

Antw. Er soll sein Gebet mit dem Gebete desPriesters vereinigen und Gott den Herrn voll Vertrauenund Ergebung um gnädige Verleihung Dessen bitten,was ihm zum geistigen und leiblichen Wohle nothwendigund heilsam ist.

Beispiel. So benahm sich die heilige Theresia.Sie betete voll glühender Andacht mit dem Priester undantwortete selbst auf die Gebete desselben. Nach Empfangder heiligen Oelung aber zeigte sie eine besondere Freudeund sagte Gott Dank für diese so große Gnade. Fortwährendempfahl sie sich zugleich dem mütterlichen Schutze Mariens,den sie auch lebhaft fühlte. (Sieh das vorhergehende Bild!)

Fr., Was sollen die Anwesenden thnn, währendder Priester dem Kranken die heilige Oelung ertheilt?

Antw. Sie sollen durch eifriges Gebet dem Kran-ken beistehen, damit er die mit diesem Sakramente ver-bundenen Gnaden erlange. Zugleich sollen sie aber auchan jene Stunde denken, wo ihnen selbst einst die letzteOelung ertheilt werden wird, und Gott um Verzeihungaller jener Sünden bitten, die sie mit den Augen, mitden Ohren, mit dem Munde rc. begangen haben.

Belehrung und Beispiel. Wir sollten hier undüberhaupt recht oft im Leben, besonders vor dem Schlafen-gehen jene fromme Uebung vornehmen, welche Pater Wolf-gang Grafeneg, ein Ordensmann von erhabener Tugend,jeden Abend vornahm, bevor er sich zur Ruhe legte. Erertheilte gleichsam sich selbst täglich die letzte Oelung. Erdachte sich nämlich, er liege auf seinem Sterbebette, nahmein Krucifix zur Hand und hielt solches zuerst auf die Stirne,um seine innerlichen Sinne zu reinigen, wobei er sprach: