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Drittes Hauptstück. Wirkungen der letzten Oelung.
besonders im Todeskampfe; „Der Herr wird ihn aufrichten."(Jak. 5, 15.) Der Himmel Ihauet Linderung auf ihn herab,und wie der Abcndthau die welke Pflanze erquickt, so wirdauch der kranke Christ durch die heilige Salbung und dasGebet der Kirche am Abende seines Lebens erquickt und ge-stärkt, so daß er getrost und ruhig hinüberschlummern kannin das ewige Leben. (Sieh das vorhergehende Bild!) — DasConcilium von Trient drückt dies mit den Worten aus:„Die letzte Oelung erleichtert das Gemüth des Kranken, undstärkt dasselbe, da durch dieses Sakrament in den Krankenein großes Vertrauen auf die göttliche Barmherzigkeit er-weckt wird, wodurch der Kranke aufgemuntert, die Beschwer-nisse der Krankheit und die Schmerzen derselben leichter er-trägt, und den Versuchungen des Satans, der ihm alsdannheftiger nachstellt, leichter widersteht." Mit Recht ruft daherder heilige Cyrillus aus: „Das benedicirte Oel erhältdurch die Anrufung Gottes und durch das Gebet eine solcheKraft, daß cö nicht nur die Spuren der Sünde versengend,die Seele reinigt, sondern auch alle unsichtbare Gewalt desbösen Feindes in die Flucht schlägt."
Beispiel und Anwendung. Alle wahrhaft frommenChristen empfangen daher in Anbetracht dieser beseligendenWirkungen mit Freuden das heilige Sakrament der letztenOelung, wie wir dieß ans nachfolgendem Beispiel ersehen. —In einem Spitale zu Paris lag ein junger Mann gefährlichkrank; man ließ den Priester kommen und richtete einenTisch her zur Ertheilung der letzten Oelung. Als aber derArzt kam, ließ er den Priester und den Tisch sogleich wiederentfernen, ans Furcht, es möchte ans den Verlauf der Krank-heit seines Patienten einen üblen Einfluß ausüben, wennman ihm die letzte Oelung ertheilen würde. Da bat aberder Kranke, man möchte ihm den Priester rufen, auf daßer ihn mit Oel salbe und über ihn bete; „denn," sagte er,„die Heilmittel der Seele sind mir nothwendiger, als diedes Leibes. Ich fühle cS nur zu gut, daß ich dem Todenahe bin; man bereite daher den Tisch zur letzten Oelung;ich weiß es ja, daß dieses heilige Sakrament zur Wohlfahrtmeiner Seele dient, daß es die Gnade in mir vermehrt, dieSünden und ihre Ueberbleibscl tilgt und mich in meinenschweren Leiden stärkt und tröstet." Und voll gläubigenVerlangens empfing er die heiligen Sterbsakramente undentschlief selig im Herrn.— Wenn auch du, mein christlicherLeser! einst auf deinem Sterbebette ein so gläubiges undinniges Verlangen nach der letzten Oelung in dir tragenwirst, so wirst du ganz sicherlich auch die Gnadenwirkungendieses heiligen Sakramentes erfahren und zwar an Leibund Seele.
Fr. Was wirkt die letzte Oelung zur Wohlfahrtdes Leibes?
Autw. Sie bewirkt oft Erleichterung in der Krank-
heit und selbst die Gesundheit, wenn es zum Seelen-heile gedeihlich ist.
Belehrung. Der heilige Thomas von Aquinsagt in dieser Beziehung: „Wenn die körperliche Genesungauch der Genesung der Seele zuträglich ist, so bringt dieletzte Oelung selbe allezeit mit sich, wenn kein Hindernißvon Seite Desjenigen im Wege steht, der sie empfängt."Und der heilige Petrus Damianus ruft aus: „Das isteine herrliche Salbe, durch welche die Gesundheit wieder ge-geben wird." Ja, schon der heilige Jakobus drückt dieseWirkung mit den Worten aus: „Das Gebet des Glaubenswird dem Kranken zum Heile sein," (wird ihm zur Heilung,zur Gesundheit dienen.) Wie thöricht handeln daher alleDiejenigen, welche den Empfang der letzten Oelung so weitals möglich hinausschieben, weil sie fürchten, sie müßten nachdem Empfange derselben sogleich sterben!
Beispiel und Anwendung. Es fehlt nicht an Bei-spielen, die es uns klar und deutlich beweisen, daß die letzteOelung oft auch zur Wiederherstellung der leiblichenGesundheit beitrage, wenn dieß nämlich zu unsermSeelenheile dienlich ist. Ich will hier nur ein einziges Bei-spiel anführen. — Ein treuer Sohn der Kirche, mit NamenFlag et, fiel bei seiner Rückkehr nach Havanna in ein»schwere Krankheit; man erklärte sie für das gelbe Fieber,das so schnelle Fortschritte machte, daß er in wenigen Tagendem Tode nahe war. Er verlangte und empfing die heiligenSakramente. Da trat plötzlich eine glückliche Krisis ein, under war bald außer Gefahr. Als ihm seine Freunde Glückwünschten, sagte er: „Ich hoffte zu sterben; da mich aberGott dieser Gnade nicht für würdig hielt, so muß ich wohlam Leben bleiben. Die Ertheilung der heiligenSakramente hat mich am Leben erhalten. Ichwar so lebendig bewegt, daß ich diesem Eindrücke die Krisiszuschreibe, die man eine glückliche nennen durfte." — Weisealso, meine christliche Seele! wenn du einst schwer erkrankest,dieses vortreffliche Heilmittel der letzten Oelung nicht zurück —aus thörichter Furcht, daß du etwa sogleich sterben müssest,wenn du dieses heilige Sakrament enipfangest! O glaubedas nicht; vielleicht ist es gerade das einzige und vorzüglichsteMittel, dir die Gesundheit des Leibes und der Seele wiederzu verschaffen. — Insbesondere aber wird das heilige Sa-krament der letzten Oelung in den Kranken diese beseligendenWirkungen Hervorbringen, wenn sie von einer ebenso buß-fertigen Gesinnung beseelt sind, wie die heilige Büßerin undMärtyrin Afra, deren Andenken wir heute feiern.
Legende: Die heilige Märtyrin Afra (f 304).
Afra lebte zu Augsburg mit drei Mägden imDienste der heidnischen Götzen und im Pfuhle schänd-licher Lüste. Des Herrn Erbarmung führte den heiligenBischof Narzissus auf seiner Flucht in ihre Behausung,