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Drittes Hauptstück. Von der Genugthuung,
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waren damals auch die Bußwerke oder die Genugthmmg,welche die Kirche von großen Sündern forderte. Monate,ja! Jahre lang konnte man Personen jeden Geschlechtes,jeden Standes und Ranges, wenn sie schwere Sünden be-gangen hatten, unter den Reihen der Büßenden erblicken,wie sie vor den Kirchthüren standen, mit blassem Angesichte,mit gesenktem Blicke, in Säcke gekleidet, das Haupt mitAsche bestreut, und wie sie in dieser beklagenswerthen Stellungum Barmherzigkeit und Erbarmen flehten, die Gläubigenum ihre Fürbitte ansprachen, und unter Thränen die Bischöfeund Priester um Hilfe baten. — Solch strenge Bußwerkeübten selbst fromme und heiligmäßige Christen, solch schwereGenugthuung verlangte die Kirche in den ältesten Zeiten — unddu, mein Christ! willst dich mit der geringen Buße begnü-gen, die dir der Beichtvater auferlegt? O täusche dich nicht;bedenke vielmehr recht ernstlich die große Wahrheit: wenn dues unterlassest, Gott dem Herrn im Leben die gebührendeGenugthuung zu leisten, so wirst du um so länger undstrenger, und zwar ohne Verdienst für den Himmel, imFegfeuer zu büßen haben. Denn der Herr löscht durch Feuer,was wir nicht durch Bußthränen löschen. Merke dir das wohl!
Fr. Was dürfen wir bei der Genugthuung ganzbesonders nicht vergessen?
Antw. Dieses, daß wir das geraubte Gut, denverursachten Schaden und die gekränkte Ehre dem Näch-sten wiederum gewissenhaft ersetzen, sowie das gegebeneAergerniß und schlechte Beispiel nach Kräften wiedergut machen.
Belehrung. »Es ist nicht genug,» sagt der heiligeGregor der Große, „daß wir keine neuen Schulden
die wir uns selbst als Buße auferlegen sollen.
mehr machen, sondern wir müssen auch die früher gemachtenSchulden abtragen," d. h. wir müssen das gegebene Aerger-niß und den dem Nächsten zugefügtcn Schaden wieder gutmachen. Wir müssen das schöne Beispiel des Zachäus nach-ahmen, der von sich sagen konnte: „Die Hälfte meiner Gütergebe ich den Armen, und wenn ich Jemanden betrogen habe,so erstatte ich es vierfach." (Luk. 19, 8.)
Beispiel und Anwendung. Diesem füge ich nochein anderes Beispiel bei, aus weichem du, mein christlicherLeser! ersehen kannst, wie sehr man sich bestreben müsse,den dem Nächsten zugefügten Schaden und das gegebeneAergerniß wieder gut zu machen. — Pontius von La-vaze, welcher im 12. Jahrhunderte lebte, ergab sich inseiner Jugend allen Gattungen von Lastern, Leidenschaftenund Räubereien. Endlich betrachtete er einmal, von derGnade Gottes gerührt, die Nebelthaten, welche er verübthatte, und das Gericht, welches seiner drohend wartete, undverurtheilte sich zu aller Strenge der Buße. Am Palmsonn-tage, da der Bischof mit seiner Geistlichkeit und dem ganzenVolke in der Kirche versammelt, und das Evangelium ge-lesen war, drang Pontius, gleich einem Uebelthäter eineKette am Halse, durch den Haufen, warf sich dem Bischöfezu Füssen, übergab ihm ein Papier, auf welchem alle seineSünden geschrieben standen, und beschwor ihn, sie vor demganzen Volke lesen zu lassen. Während man seine ganzeBeicht vorlas, ließ er sich unausgesetzt mit Ruthen peitschenund bat immerhin, ihn doch empfindlicher zu schlagen, indeßer mit seinen Thränen den Boden benetzte. Er schrie, daßer aller dieser Verbrechen schuldig sei, und Gott und Men-schen um Verzeihung bitte. Alle Anwesenden wurden tiefgerührt, und zerflossen mit ihm in Thränen. Am andernTage vcrtheilte er, nachdem er der Pflicht der Wiederer-stattung, so viel er konnte, genug gethan hatte, seine Güterunter die Armen. Hierauf entsagte er für immer der Weltund verurtheilte sich zu einer strengen Buße, die er nur mitseinem Leben endete. Er starb heilig. (Sieh das vorher-gehende Bild!) O möchten auch wir in die Fußstapfcn dieserheiligen Büßer eintreten und nach Kräften wieder gut zumachen suchen, was wir durch die Sünde und durch Unge-rechtigkeit geschadet haben!
Legende: Die heiligen Märtyrer Abdon undSennen, (f 250.)
Eine sehr vortreffliche Buße, die wir uns selbstauferlegen sollen, besteht auch in der geduldigen Er-tragung der Leiden und Widerwärtigkeiten, die unstreffen. Die beiden heiligen Märtyrer aber, deren Festwir heute feiern, zeigen es uns durch ihr erhabenesBeispiel, wie wir alle Leiden und Widerwärtigkeitendieses Lebens mit christlicher Geduld und Standhaftigkeitertragen können und sollen. Abdon und Sennenwaren Perser, vornehm von Geburt, reich an Mitteln,aber noch größer an Tugend; denn sie waren wahrhafte