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Christkatholisches Haus- u. Familienbuch in Wort u. Bild
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384
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384 Drittes Hauptstück. Von den Ceremonien der Hs. Taufe, und zwar bei und nach der eigentl. Taufhandlnng.

Fr. Was bedeutet das weiße Kleid, das dem Ge-tauften gegeben wird?

Anlw. Nach der Lehre der heiligen Väter wird da-durch die Reinheit und Schönheit, womit die Seele nachAbwaschung der Sünden in der Taufe geschmückt wird,und die Unschuld und Unversehrtheit, welche der Getauftein seinem ganzen Leben bewahren soll, angedeutet.

Belehrung. Schon in den ersten Zeiten des Christen,thums wurde den Täuflingen, sobald sie aus dem Tanfwas-ser hervorgingen, ein schönes, weißes Kleid angezogen, und esgalt als ein Sinnbild der in der Taufe empfangenen See-lenreinheit, sowie als Aufforderung, von nun an die Rein-heit der Seele nie mehr durch eine Sünde zu beflecken oderzu verlieren. „Ansgezogen habt ihr euere alten Kleider,"ermahnt der heilige Cyrillus, „und solche angezogen, dienach dem Geiste sind; immer müsset ihr also in weißen Klei-dern einhcrgehen. Nicht dcßhalb sage ich es, als müßtetihr immer weiße Kleider tragen, sondern weil es sich jetztgeziemt, mit wahrer, blendender Weiße, mit dem Geistigengekleidet zu sein; damit ihr mit dem Propheten Isaias sa-gen könnet: Meine Seele frohlocke im Herrn, er hat michmit dem Kleide des Heils angethan, und mich mit dem Ge-wände der Freude umgeben." Dieses weiße Kleid pflegtenDie, welche am Ostersamstage getauft worden waren, eineganze Woche zu tragen und am folgenden Sonntage die hei-lige Kommunion in demselben zu empfangen; daher die Be-nennung: „weißer Sonntag."

Beispiel und Anwendung. In der Vandalischen Ver-folgung war ein gewisser Elpidoforus beauftragt, die hei-ligen Glaubensbekenner grausam zu peinigen. Er war frü-her Christ gewesen, und bei seiner Taufe hatte als Pathegestanden ein Diakon Mnritta. Als nun der Diakon vorden Haß und Grausamkeit speienden Elpidoforus geführtwurde, zog er in der größten Stille das von der Taufe desElpidoforus noch aufbcwahrte weiße Taustuch heraus,spaunte es vor den Augen aller Gegenwärtigen aus und fingmit diesen Worten zu sprechen an, wobei die ganze Stadtäußerst, ja bis zu Thränen gerührt wurde: „Dieß sind dieLeintücher, Elpidoforus, du Knecht der Lüge! die dich einstvor dem göttlichen Richterstuhl anklagen werden. Zum Zeug-nisse deiner Verwerfung und deiner ewigen Verdammnißwerde ich sie sorgfältig anfbewahren. Diese weißen Gewände,o Unglücklicher! haben dich bedeckt, als du ganz rein ausdem Taufbrunnen mit mir aufstiegest; diese werden dir, un-seliger Mensch! einst harte Vorwürfe machen, wenn du inden Höllenort eingehest; wie ein Kleid zogst du den Fluchan, zerreißend und wegwerfend das Bündniß der Taufe unddes wahren Glaubens." — Wehe uns, meine Christen ! dieseWorte gelten auch uns, wenn wir das weiße Gewand der

Unschuld und Reinigkeit, welches wir in der heiligen Taufeempfangen haben, mit Füßen treten oder mit Sünden undLastern beflecken.

Fr. Warum wird dem Getauften eine brennendeKerze in die Hand gegeben?

Antw. Um dadurch anzudeuten 1) die Flamme derLiebe Gottes und des Nächsten, welche das Kind vonnun an gleich den fünf klugen Jungfrauen auf demPfade dieses Lebens dem Herrn stets entgegen tragensoll, damit es, wenn es an das Ende seines Lebenskommt, zum ewigen Hochzeitmahle eingelassen werde.2) Die christliche Lehre, welche den Getauften von denFinsternissen des Irrthnms, der Unwissenheit und Sündebewahrt, seinen Verstand erleuchtet und ihn sicher ausdem Wege der Tugend zur Seligkeit leitet. 3) DasLicht des guten Beispiels, welches der Getaufte immerleuchten lassen soll. (Goffine.)

Fr. Mit welchen Worten entläßt endlich der Prie-ster den Täufling?

Antw. Mit dem Segenswunsche: „Gehe hin imFrieden! der Herr sei mit dir!" aus daß Gottes Friedeund Gnade denselben auf all seinen Wegen durch's Le-ben begleiten möge.

Beispiel und Anwendung. Als einst einem from-men Ritter, Hans von Bernhold, ein Töchterlein mit Na-men Be ata Christian« getauft worden war, schloß dertaufende Priester die Taufhandlung mit den Worten: „Gehehin im Frieden, mein Kind! der Herr sei mit dir! Mögestdu in Wahrheit eine Beata Christian« d. h. eine se-ligs Christin sein; möge dir Gott die Gnade verleihen,daß du die so eben erhaltene Taufgnade bis an's Ende treubewahrest, und so Gottes Frieden in dir wohne, auf daßman von dir sagen könne: Lempör saäöin d. i. „all-zeit dieselbe"! — Dieses wurde nun dem Töchterlein,als sie etliche Jahre alt war, von ihrer frommen Muttererzählt; und nun nahm das gute Kind diese Worte stets zuihrem Wahlspruch. Als sie später an den Hof kam undvon den Schmeicheleien und Lockungen der Welt tausend An-fälle zu erfahren hatte, schrieb sie in ihr Gedenkbüchlein:„Allzeit dieselbe!" — In ihrem nachmaligen Ehestandebot immer ein Kreuz dem andern die Hand; Krankheitenund Todesfälle unter den Ihrigen wechselten beständig miteinander ab. Allein sie gedachte nur der Worte: „All-zeit dieselbe!" Und Ruhe und Frieden kehrte in ihrHerz zurück. — Als endlich ihr Sterbstündlein nahte, undihr der gewisse Abschied aus der Welt angekündigt ward,da rief sie aus: „Ich bleibe bei meinem Spruch: Allzeitdieselbe!" — Und man setzte auf ihren Grabstein die