Druckschrift 
Christkatholisches Haus- u. Familienbuch in Wort u. Bild
Entstehung
Seite
382
Einzelbild herunterladen
 

382 Drittes Hauptstück. Von den Cerenicnicn bei der Hs. Taufe, und zwar vor der eigentl. Taufhandlung.

Fr. Warum werden ihm Ohren und Nase mitSpeichel bestrichen?

Antw. Um anzudeuten, daß gleichwie Christus demBlindgebornen Speichel in die Augen strich und ihnsehend machte, also auch durch die Taufe die geistige Blindheitder Seele von dem Täufling genommen werde, und seinGeist Licht erhalte, die göttliche Weisheit zu erschauen.Auch wird, wie der heilige Ambrosius sagt, dadurchder Täufling belehrt, seine Ohren der priesterlichen Er-mahnung zu öffnen, und ein guter Geruch Christi zu werden.

Fr. Warum fragt der Priester den Täufling: „Wider-sagst du dein Teufel und allen seinen Werken und allerseiner Hoffart"?

Antw. Damit ein Christ wisse, daß es sein Berufmit sich bringe, dem Teufel, seinen Eingebungen undWerken und seiner Hoffart zu widersag'en und widerdieselben zu streiten. Daher redet der heilige Ambro-sius einen Getauften gar schön an: „Als dich der Prie-ster gefragt hat: Widersagst du dem Teufel und allenseinen Werken? was hast du geantwortet?—Ich wider-sage. — Widersagst du auch der Welt, ihrer Pracht undihren Wollüsten? — Ich widcrsage. — Sei also deinesVersprechens eingedenk, und laß es dir niemals aus demSinne kommen! Du hast dem Priester anstatt Gottesgleichsam deine Handschrift gegeben. Wenn du einemMenschen deine Handschrift gegeben hast, so bleibst duihm verbunden. Nun aber wird deine Handschrift nichtauf Erden, sondern im Himmel aufbewahrt."

Fr. Warum wird der Täufling auf der Brust undden Schultern mit dem heiligen Oele gesalbt?

Antw. Dieß geschieht nach dem Zeugnisse des hei-ligen Ambrosius und CH rhsostom us, um ihn zueinem tapfern Streiter Christi zu machen; denn gleich-wie vor Alters die Kämpfer, ehe sie die Kampfbühncbestiegen, sich mit Oel salbten, also wird der Täuflingmit Oel 1) auf der Brust gesalbt, damit er Muthund Stärke erlange, den Teufel, die Welt und das Fleischtapfer zu bestreiten, und 2) zwischen den Schul-tern, damit er gestärkt werde, das Joch Christi, seinGesetz, uuermüdet und unverdroßen zu tragen und diemühselige Laufbahn dieses Lebens mit unverbrüchlicherTreue gegen Gott und seine heiligen Gebote zu durchlaufen.

Fr. Warum wird bei der Taufe der „Glaube anGott Vater" nnd das „Vater unser" gebetet?

Antw. Damit, wenn Erwachsene getauft werden,dieselben hiedurch das Glaubcnsbekenntniß im Angesichteder Kirche ablegen; wenn aber Kinder getauft werden,die Gevattern dieses statt derselben thun, welche dadurchgemahnt werden, besorgt zu sein, daß ihre Taufpa-then hierin und in allen andern GlaubenswahrheitenWohl unterrichtet werden. — Dieß sind nun die Cere-monien bei der heiligen Taufe, und zwar bis zur eigent-lichen Taufhandlung. Morgen will ich die Erklärungderselben vollenden, heute aber die Legende jenes Heili-gen erzählen, der es durch sein frommes und heiligesLeben bewies, wie man nach der heiligen Taufe sich stetsals treuen Anhänger Jesu, des Gekreuzigten, bewähren muß.

Legende: Der heilige Antonius von Padua,Ordensmann, (fl 1231.)

«NE

'VW

. Dieser Heilige kämpfte ritterlich gegen die Feindeseines Heiles unter der Kreuzesfahue des Herrn, dem erauch auf dem Wege des Kreuzes und der Selbstver-läugnuug bis zum Tode uachfolgte. Daher hat er sichauch unter den Schülern des heil. Franz von Assiseinen ausgezeichneten Ruhm und besondere Verehrungerworben. Er ward geboren zu Lissabon in Portugal,im Jahre 1195, und erhielt in der heiligen Taufe denNamen Ferdinand. Die erste Erziehung erhielt erim Hause seiner christlichen Eltern. Schon in seinerJugend offenbarte er einen ernsten Sinn und ein from-mes Gemüth. Sein Mitleiden gegen Arme und Noth-