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Drittes Hauptstück.
uns gereicht wird, nur aus Liebe und Wohlwollen, ohnedaß wir sie fordern können, weil wir sie nicht verdient haben.
Fr. Was ist nun die Gnade in Bezug auf Gott?
Antw. Sie ist eine Gabe, eine Wohlthat, welcheGott dem Menschen aus Wohlwollen, Güte und Barm-herzigkeit an Leib oder Seele ertheilt ohne sein Verdienst,d. i. ohne daß der Mensch ein Recht hat, sie von Gottzu fordern.
Fr. Wie theilt man sonach die Gnade ein?
Antw. In natürliche und übernatürliche,in äußere und innere, in unmittelbare undmittelbare.
Belehrung und Beispiele. Wenn die Gnade unswas immer für ein zeitliches Gut ertheilt, welches un-serm Leibe oder nnscrm zeitlichen Leben einen Nutzenoder Vortheil verschafft, so heißt sie natürliche Gnade,wenn sie hingegen auf was immer für eine Weise unserSeelenheil befördert und uns eine höhere Kraft verleihtzur Erreichung unserer Bestimmung, so heißt sie überna-türliche Gnade. Wenn Gott hiebei von außen aufden Menschen einwirkt, so heißt sie äußere, bringt er aberim Innern des Menschen eine Wirkung zu seinem Heilehervor, so heißt sie innere Gnade. So ist z. B. die Ver-kündigung des Wortes Gottes eine äußere Gnade, weil da-durch von außen auf den Menschen eingewirkt wird; durch-dringt aber das Wort Gottes das Innerste des Menschen,werden die Augen seines Gemüthes erleuchtet, und der Willebewegt, der Stimme des Rufenden zu folgen, so ist dieß eineinnere Gnade, weil diese Wirkung im Innern des Menschenvor sich geht. Bisweilen empfängt ein Mensch einen Rufzum Glauben, oder die Bekehrung von Gott selbst, wie z. B.die heiligen Apostel, insbesondere der heilige Apostel Pau-lus, dann der Hauptmann Cornelius, der zur RechtenJesu Gekreuzigte, das ist eine unmittelbare Gnade.MeistentheilS aber bedient sich Gott gewisser Mittel, unsseine Gnaden zu ertheilen, z. B. der Glaubensboten, wie erzu jenem Kämmerer der Königin Candace den Philippussendete (Apostelg. 8.), bei der heiligen Afra in Augsburgden heiligenNarcissus einkehren und im Gebete übernach-ten ließ, dergleichen Beispiele wir in großer Anzahl finden;oder er bedient sich christlicher Eltern, guter Lehrer, eifrigerPrediger und Seelsorger, frommer Beichtväter, guter Bücheroder erbaulicher Beispiele, oder auch schreckender Strafgerichte,allgemeiner Drangsale, der Leiden, Krankheiten und derTrübsale, oder anderer, oft scheinbar kleiner Umstände, wo-
Von der Gnade überhaupt.
durch er auf uns einen solchen Einfluß äußert, daß wirglauben, uns bekehren, Buße thun ober einen strengen Lebens-wandel anfangen, und dieß ist dann eine mittelbare Gnade.Fr. Bon welcher Gnade ist hier zunächst die Rede?Antw. Von der innern, übernatürlichenGnade, also von jener Hilfe oder Gabe, welche unsGott um der Verdienste Jesn Christi willen zu unsermewigen Heile verleiht. Diese theilt man ein 1) in dieGnade des Beistandes, auch wirkliche oder vorüber-gehende genannt, weil sie vorübergehend auf die Seelewirkt, und 2) in die Gnade der Heiligmachung,auch bleibende, heiligmachcnde oder Gnade der Rechtfer-tigung genannt, weil sie in der Seele verbleibt, dieselbeziert und ausstattet. — Alles dieß wird in den nächst-folgenden Lesestücken ausführlicher erklärt werden. Heutegehen wir zur Legende über und suchen uns in derselbendas so eben Erklärte noch deutlicher zu machen.
Legende: Die heilige Joha nna, eine Jünge-rn: Christi.
Die heilige Johanna war die Frau des Chusa.eines Verwalters des Herodes. Als der göttliche Heiland sie von einer Krankheit geheilt und ihr Herz fürseine heilige Lehre gewonnen hatte, wurde sie eine treueJüngerin und Anhängerin ihres göttlichen Erlösers undführte ein frommes, heiliges Leben, bis sie selig im Herrnentschlief. Dieß ist Alles, was wir von dieser Heiligenwissen ans dem Evangelium des heiligen Lukas (8, 3.).In dieser kurzen Lebensgeschichte zeigt sich uns die gött-liche Gnade auf mannigfaltige Art. Der göttliche Hei-