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Am Feierabende des Z3. Mai.
Herzigkeit; wir nennen sicunsere Hoffnung; dennauf ihrer mächtigen Hilfeund Fürbitte beruht nachGott all' unsere Hoffnung;wir nennen sie unsere Süs-sigkeit, d. h. unsere Freudeund Wonne; denn wer solltean Maria, der lieblichenMutter des göttlichen Soh-nes, keine Freude haben?Wer sollte sie nicht so be-grüßen, da Jesus selbst sieals seine Mutter mit derzärtlichsten Liebe eines Kin-des geliebt hat! (Siehe dasnebenstehende Bild!) Mitheiliger Freude sollen wirdaher recht oft das SalveN e g i n a beten; denn Mariaselbst hört dieses Gebet gar gerne und läßt Jene nicht unbelohnt,tie es fleißig beten und damit ein frommes Leben verbinden.Mr sehen dieß ans nachfolgendem Beispiele.
Beispiel und Anwendung. Pater Auriema er-zählt von einem armen Hirtenmädchen, das eine besondereLiebe und Verehrung gegen Maria im Herzen trug. Wennsie das Vieh weidete, eilte sie oft in die nahegelegene Mut-tergotteskapelle und betete da mit kindlicher Andacht dasSalve Regina. Oft pflückte sie Blumen aus dem Felde,machte einen Kranz davon, stieg auf den Altar der kleinenKapelle und setzte ihn dem Muttergvttesbilde auf, indem sievoll kindlicher Einfalt sprach: „O, meine liebe Mutter! ichwünschte, daß ich dir eine goldene, mit Edelsteinen geschmückteKrone auf's Haupt setzen könnte; aber weil ich arm bin, somußt du dich schon mit diesem ärmlichen Blumenkränze be-gnügen; nimm ihn denn an als ein Zeichen meiner Liebe zudir!" Auf diese und ähnliche Weise fuhr die arme Jung-frau fort, ihre geliebte Königin zu verehren und ihr zu dienen.Hören wir nun aber, auf welche Weise diese gute Mutterden Besuch und die Liebe dieses guten Kindes erwiederte!Das Hirtenmädchen wurde krank und war nahe am Sterben.Sie lag da auf dem Krankenbette in einer ärmlichen Hütte,einzeln stehend an der Landstraße. Ihre Angehörigen hat-ten nothwendig zu thun mit den Feldarbeiten und ließendeßhalb das arme Kind ganz allein ihrem Schicksale über,nicht wähnend, daß es seinem Lebensende schon so nahe sei.Das gute Mädchen fühlte lebhaft die Annäherung des Todes;aber sie sah sich aller Hilfe bloß, und hätte doch so gernenoch die heiligen Sterbsakramente empfangen. Da ruft sielaut und mächtig um diese Gnade zu Maria, zu ihr, die sie
Mehler, Hausbuch.
ihr ganzes Leben hindurch so zärtlich geliebt und verehrthatte. Und siehe! die himmlische Mutter läßt sich nicht ver-gebens bitten. — Zwei Missionäre kamen eben dieses We-ges; ermüdet von der schon allzuweiten Reise — nahmendie beiden Priester Einkehr in der ärmlichen Hütte und er-blickten da das unschuldige Mädchen schon fast im TodcS-kampfe. O wie schlug das Her; der Sterbenden so freudig!„Seid mir gegrüßt, ihr Boten Gottes!" rief sie ihnen leise ent-gegen, „meine gute Himmelsmutter hat euch zu mir gesandt.O verlasset mich nicht in meinen Todesnöthen, und spendetmir noch den Trost unserer heiligen Religion; gebt mir Je-sum auf die Reise in die Ewigkeit!" Mit Freuden erfülltendie frommen Diener Gottes den heiligen Wunsch des gutenMädchens. Der Eine hörte ihre Beicht, und der Andereging in die nahe gelegene Kirche, um ihr Jesum im heiligenSakramente als letzte Wegzehrung zu bringen. Nachdem dieheilige Handlung vollendet war, lächelte sie lieblich und sanfk,und gab selig den Geist auf, noch leise sprechend die Worte:„O gütige, o milde, o süße Jungfrau Maria!"— O wie herrlich belohnt Maria ihre frommen Verehrer!
Fr. Von wem rührt dieses schöne Gebet her?
Antw. Von zwei sehr frommen Verehrern dergöttlichen Gnadenmutter Maria: von Hermannscontractns und vom heiligen Bernhard.
Belehrung und Erzählung. Diesen wunderschönenLobgesang, der in der katholischen Kirche schon viele Jahr-hunderte im Brauche ist, vcrfaßteHermanus contractus,aus gräflichem Stamme geboren. Er wurde contisctu8 ge-nannt, weil er am ganzen Leibe sehr armselig und krüppel-haft war. Er besaß eine große Wissenschaft, die er, wie ersagte, durch die Fürbitte Mariens übernatürlich von Gott er-langt hatte. Deßhalb ist es glaubwürdig, daß auch ver-herrliche Lobgesang, das 8alvo Kotzing, auf eine besondereWeise vom heiligen Geiste ihm eingegeben wurde. Die Schluß-worte: „O milde, o gütige, o süße Jungfrau Maria!" setzteaber der heilige Bernhard bei. Es wird uns dieß ausfolgende Weise erzählt. Als sich in der ehemaligen ReichsstadtSpeier der römische Kaiser und eine große Menge von Für-sten versammelt hatten, kam auch Bernhard, der heiligeAbt von Claravall (Clairvaux), als päpstlicher Gesandterdahin. Er wurde von sämmtlicher Geistlichkeit und einer gro-ßen Menge Volkes mit höchsten Ehren empfangen und indie Domkirche geführt, wo er beim Einzuge in die Kirche das8slvö Ketzins anstimmte und absang. Als er dieses vollen-det hatte, und nahe zum Hochaltar gekommen war, woraufdas Bildniß der Mutter Gottes glänzte, kniete er sich niederund sang: „0 clemons!" d. h. o Milde! Er stand auf,ging etwas näher zum Choraltar, kniete wieder nieder undsang: „0 pis!" d. h. o Gütige! Endlich fiel er bei dem
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