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Zweites Hauptstück. Die symbolischen Lobspruche Mariens in der lanretanischen Litanei.
Christ! mit Inbrunst und Vertrauen zu Maria, die wirlobpreisen als den „elfenbeinernen Thurm," deineZuflucht nehmen, und sie anflehen, auf daß sie dich durchihre mächtige Fürbitte rein erhalte, wie Elfenbein,und dich stark mache, wie einen Thurm, gegen alle Feindedeines Heiles?
Legende: Der heilige Bern Harbin von Siena.
(ch 1444.)
Dieser Heilige, dessen Fest ans den heutigen Tagfällt, hat es oft und znr Genüge erfahren, daß Mariader Thurm Davids, ein elfenbeinerner Thurmsei; in diesem Thurme schützte er sich gegen alle feindli-chen Angriffe, welche die Welt, das Fleisch und der böseFeind wider ihn verfluchten, wie wir aus seiner ganzenLebensgeschichte ersehen. — Der heilige Bernhardin vonSiena, ein Franziskaner von der strengeren Observanz,wnrde im Jahre 1380 zu Massa bei Siena ans der Fa-milie Albizeschi geboren, verlor aber beide Eltern schonvor seinem siebenten Lebensjahre, wurde in zartesterKindheit von der frommen Schwester seiner Mutter zurUebung aller Tugenden angehalten und von seinen vä-terlichen Oheimen zu Siena der Leitung der geschicktesten'Lehrer übergeben. Neben der Hebung der jungfräulichenReinigkeit, die ihn auf's Lieblichste zierte, verlegte sichBernhardin besonders mit allem Eifer auf die Forschungin der heiligen Schrift. Im siebenzehnten Jahre trater in die Genossenschaft zu unserer lieben Frau, welchezu Siena im Spitale della Scala zum Dienste derKranken errichtet war, wo er sich zur Zeit der Pest imJahre 1400 besonders auszeichnete. >— Nach drei Jahrenlegte er an seinem Geburtstage, dem Feste Mariä Ge-burt, bei den Franziskanern der strengeren Observanzzu Columbiere das Ordensgelübde ab. Seine Obernübertrugen ihm das Predigtamt, wozu er aber wegen
natürlicher Schwäche und Heiserkeit seiner Stimme An-fangs nicht so passend erschien, bis er durch die Fürbitteder seligsten Jungfrau Maria von diesem Uebel befreitwurde. Von jetzt an war das Wort Gottes in seinem Mundeein zweischneidiges Schwert. Wie ein Apostel zog Bernhar-din in Italien später von Stadt zu Stadt und predigte mitaller Kraft, besonders oft auch gegen das Würfel- undKarten-Spiel. Der süßeste Name Jesus, den er aufeiner glänzenden Tafel (1118 —losus llominum Salvator)seinen Zuhörern vorhielt, war seine stärkste Waffe. Un-ter Anssprechung der süßesten Namen Jesus und Ma-ria starb er auch am 20. Mai 1444, und wurde nachsechs Jahren von Nikolaus V. unter die Zahl der Hei-ligen versetzt.
Gebet. Heilige Jungfrau Maria, du ThurmDavids, du elfenbeinerner Thurm! zu dir nehmen wir,wie der heilige Bernhard in von Siena, unsereZuflucht in allen Gefahren des Leibes und der Seele;erhalte uns rein durch deine mächtige Fürbitte, wieElfenbein, und mache uns stark, wie einen Thurm, gegenalle Feinde unsers Heiles! Amen.
Hmiderteimmdvierzigstes Lesestück.
Am Feierabende des 21. Mai.
Die symbolischen Lobsprüche Mariens in der lanretanischen Litanei:9) Goldenes Haus, 10) Arche des Bundes.
Fr. Warum ertheilen wir der seligsten JungfrauMaria den Lobspruch: „Goldenes Haus"?
Antw. Weil sie mit dem Golde der Liebe und derLauterkeit, sowie mit dem mehr als goldenen Schatze dergöttlichen Gnade erfüllt war.
Belehrung. Salomon führte viele Gebäude auf;aber unter allen diesen zeichneten sich zwei Häuser aus: dasHaus, das er Gott, und das Haus, das er für sich selbstgebaut hatte. Jedes dieser beiden Häuser konnte ein gol-denes genannt werden; denn da war Alles von Gold, selbstdie Wände waren mit dem feinsten Golde überzogen, undalles Geräthe des Hauses war von Gold. (3. Kön. 10.)Wie nun dieses Haus, das Salomon baute, vor allen übri-gen ausgezeichnet war an Pracht, weil es bestimmt war,von der Herrlichkeit Gottes selbst erfüllt zu werden, undauch das andere Haus, weil daselbst Salomon seinen Thronhaben wollte, so ist auch Maria von Gott mit mehr alsgoldenen Schätzen geziert worden, mit dem Neichthume derGnaden. Da das (Hold auch ein Sinnbild der Liebe undder Lauterkeit ist, so war Maria in der That ein goldenes