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Christkatholisches Haus- u. Familienbuch in Wort u. Bild
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304
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304 Zweites Hauptstiick. Der englische Gruß Morgens, Mittags und Abends.

Gottes im jungfräulichen Leibe Mariens an; denn dieMenschwerdung des göttlichen Sohnes ist für uns das an-betungswürdigste, das freudenreichste und trostvollste Geheim-niß. Nur aus Liebe zu uns ist ja Gottes Sohn Menschgeworden, um uns, die wir seine Feinde waren, von derSünde und dem ewigen Tode zu erlösen; und Maria hatdurch ihre Einwilligung die Menschwerdung des göttlichenSohnes möglich gemacht; es ist daher eine schöne Sitte,wenn fromme Christen am Ende des englischen Grußes dieWorte hiuzusetzen:Gott und Maria sei Dank!" Ja,Gott und Maria sei Dank! Durch sie ist uns die größtealler Gnaden zu Theil geworden: die Menschwerdungdes göttlichen Sohnes. Mit Freuden sollen wir alsoauf die Kniee fallen und mit dankerfülltem Herzen diesesewig anbetungswürdige Geheimniß loben und preisen.

Beispiel und Anwendung. Wir sollen hierin daserhabene Beispiel der heiligen Maria Magdalena vonPazzi nachahmen, die sich durch eine tiefinnige Verehrunggegen das hochheilige Geheimniß der Menschwerdung aus-zeichnete. Mit dankbarem Herzen, mit Thränen im Augewar sie fast unaufhörlich in die Betrachtung der unendlichenLiebe vertieft, die Jesus dadurch zeigte, daß er sich nichtscheuete, die Glorie des Himmels zu verlassen und durch dieWirkung des heiligen Geistes in den Schooß Mariens herab-zusteigcn. So sehr war sie von Ehrfurcht gegen dieses hei-lige Geheimniß durchdrungen, daß man auf ihrem Herzendie Worte eingegraben fand:Lt verb um earo t'uotumest" Hund das Wort ist Fleisch geworden). - Sooft der Priester diese Worte in der heiligen Messe betet,fällt er auf seine Kniee nieder; so oft im Hochamte das,M inesrnnlus 68 l" vom Chore ertönt, neigen sich ehr-furchtsvoll alle Diener des Altars und wie benimmst dudich/mein Christ! wenn vom Kirchthume herab die Glockenertönen und dich zumder Engel des Herrn" eiuladenund zur dankbaren Erinnerung an das große, ewig anbetungs-würdige Geheimniß der Menschwerdung Jesu Christi? Drei-mal erinnert dich die Kirche während des Tages an dieseunaussprechliche Wohlthat, und wie oft denkest wohl du daran?Dreimal sollst du dich des Tages auf deine Kniee nieder-werfen bei den Worten:Und das Wort ist Fleischgeworden," und die gränzenlose Liebe deines Gottes prei-sen! Aber ach, wie benehmen sich da gar viele Christen soundankbar! Mit bedecktem Haupte gehen sie durch die Gassenund Strassen, als wüßten sie gar nicht, was die Kirche mitdem dreimaligen Glockenzeichen will. O welch ein Undank!welch eine Verblendung!

Fr. Warum ertönt denn dreimal: am Morgen,Mittags und Abends vom Kirchthurme herab das Ave-Maria-Geläute?

Antw. Damit sich die Christen recht oft an diesesGeheimniß der Menschwerdung erinnern sollen.

Belehrung. Am frühen Morgen, wenn du vomSchlafe erwachest, tönt es gar lieblich vom Kirchthurme herab:Ave Maria!" und es bringt der Engel auch dir denGruß und spricht:Gedenke, o Mensch, der Liebe deinesGottes, der für dich Mensch geworden! Vergiß heute nichtder Wohlrhat deiner Erlösung und Heiligung, entweihe heutenicht deine menschliche Natur durch eine Sünde, sondern be-wahre sie rein, da sie der Sohn Gottes selbst angenommenhat, um sie einst auch im Himmel zu verklären!" Undam Mittag tönt es wieder vom Kirchthume herab:AveMaria!" damit du unter den Sorgen und Mühen desTages, unter deinen Geschäften nicht vergessen mögest, daßdu ein Christ bist, der sein Herz nicht an die irdischen Güterhängen dürfe; ein Christ, der nicht vergessen darf, daß erum das kostbare Blut des menschgewordenen Sohnes Got-tes erkauft ist; ein Christ, der mitten in der Last desTages sein Herz zu Gott erheben und von Dem Hilfe undBeistand, Segen und Gedeihen erbitten muß, der für ihnMensch geworden ist. Am Abende tönt es wieder vomKirchthurme herab:Ave Maria!" damit du dich nichtverleiten lassest zu den Werken der Finsterniß, damit du nunGott Dank sagest für alles Gute, das du am Tage genos-sen hast, und damit du gedenkest, wie es einst auch bei dirNacht wird und du heimgehcn mußt in's andere Leben.

Beispiel und Anwendung. Ueberhaupt sollen wirrecht oft das Ave Maria beten und uns dabei an daserhabene Geheimniß der Menschwerdung Christi dankbar er-innern. Hugo, der wackre Ritter, satt des Eitlen undBesseres begehrend, ging zum Abte und bat inständig, indes Klosters Mauern ihn aufzunehmen nur als Laienbruder.Jedoch den Abt verdroß, den edlen Kriegsmann beizugesellennieder» Laienbrüdern, dem Orden selbst, der Zahl derBrüder wünscht' er einzuverleiben solchen wackern Ritter.Und es befahl der Abt der Brüder einem, ihn das Brevierzu lehren; doch, der Kriegsmaun des Lernens ungewohnt, be-griff von Allem zwei süße Wörtchen nur: Ave Maria!Ave Maria! war fortan sein Weidgruß, Ave Maria!sein Gebet und sein Leibspruch. Ave Maria! seufzt' ergehend, stehend, Ave Maria! lallt' er noch im Traume.Ave Maria! war sein Morgensegen, sein Abendsegen hießAve Maria! Es lautete das letzte Wörtchen, womit seinHerz ihm brach: Ave Maria! Als nun bestattet war deredle Ritter, wuchs eine Lilie aus des Frommen Grabe, unddeutlich las man und mit goldnen Buchstaben auf jedemBlatt der Blume: Ave Maria! So soll das AveMaria auch unser Morgen- und Abendsegen sein, unserGebet am Hellen Tage und in der dunklen, finstern Nacht.

L eg e nd e: Derheil. Bisch ofMamertus. (ch477.)

Wie oft wird nicht der heilige Mamertus, Bi-schof von Vienne in Frankreich, dessen Fest auf den heutigen