Zweites Hauptstück. Maria
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wird wegen seiner tiefen Religionskenntniß vorzugsweiseder Gottesgelehrte genannt. Derselbe wurde indemBezirke von Nazianz, einer kleinen Stadt in der Nähevon Cäsarea, in Cappadocien geboren und gehörte einerwahrhaft heiligen Familie an; denn sein Vater Gre-gorins, seine Mutter Non na, sein Bruder Cäsa-rins und seine Schwester Gorgonia stehen unter derZahl der Heiligen. Daß Gregorius unter solcherUmgebung nur zur Tugend und Heiligkeit heranwachsenmußte, ist wohl kein Wunder. Schon in feiner frühestenJugend lebte er in strenger Enthaltung und eilte deß-halb zu seinem geliebten Freunde, dem heiligen Ba-silius, in die Einsamkeit, wo er unter Wachen, Fa-sten und Beten Gott dem Herrn diente, und gewiß auchdie seligste Jungfrau Maria kindlich fromm verehrte,die es ihm so oft bewies, daß sie unsere Helferinim Leben sei. Als Bischof stellte er durch seineSchriften und seinen Eifer die in Constantinopel ver-fallene katholische Lehre wieder her; allein ans Liebe zumFrieden verließ er zweimal den bischöflichen Sitz undwollte lieber den Ehren und Neichthümern entsagen, alsAnlaß zur Verwirrung und Unordnung geben. Er starbreich an Verdiensten i. I. 389.
Gebet. Heilige Maria, du unsre Helferin imLeben! erwirke durch deine mächtige Fürbitte bei Gott,
unsere Helferin im Tode.
dem Liebhaber des Friedens, daß er unfernHerzen friedliebende Gesinnungen einflößenmöge, damit wir das Band der Eintracht niestören unv einst die ewigen Freuden genießen ^bei Jesus, unserm Herrn. Amen.
Hundertnnddreißigstes Lesestück.
Am Feierabende des 10. Mai.
„Bitt' für uns in der Stunde unser« Abster-bens! Amen."
Maria — unsere Helferin im Tode.
Fr. Warum setzen wir am Schlüße desenglischen Grußes noch die Worte bei: „Undin der Stunde unsers Absterbens?"
Antw. Weil der Augenblick des Todesder gefährlichste im ganzen Leben ist, und wirdeßhalb gerade da Mariens Trost und Hilfeam Meisten bedürfen.
Belehrung. Furchtbare Leiden erwarten unsauf dem Sterbebette, die Gewissensbisse über un-sere Sünden, die Angst vor dem nahen Gerichte,die Ungewißheit unserer Seligkeit peinigen da un-ser armes Herz. Dazu kommen die gewaltigen Versuchun-gen des bösen Feindes, der gerade in diesem schrecklichen Au-genblicke mit erneuerter Kraft seinen letzten Versuch macht,unsere unsterbliche Seele zu gewinnen. Nehmen wir Allesdieß zusammen und erinnern wir uns noch an die körper-lichen Leiden, die ohnehin schon die Krankheit mit sich imGefolge hat.— ach! wem kann es da entgehen, daß wirin der Stunde des Todes außerordentliche Hilfe und Stärkebrauchen, um nicht am Ende unserer irdischen Reise noch denrechten Weg zur himmlischen Heimath zu verfehlen? Maria, ,
die uns eine so gütige Mutter im Leben sein will, will esuns auch nicht minder im Tode sein; seitdem sie ihren innig-geliebten Sohn sterben sah, will sie auch alle ihre andernKinder sterben sehen. Oder, was wäre das für eine Mut-ter, die das geliebte Kind im Tode verläßt? Nein! Marialäßt ihre treuen Söhne und Töchter, ihre frommen Dienerund Dienerinen gewiß da nicht im Stiche, wo sie ihrer Hilfeam Meisten bedürfen; tausend Beispiele bestätigen uns dieß.Lassen nur wir es nicht fehlen, auf sie stets unser kindlichesVertrauen zu setzen und recht oft zu ihr zu rufen: „Bitt'für uns, arme Sünder, in der Stunde unsersAbsterbens!"