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Christkatholisches Haus- u. Familienbuch in Wort u. Bild
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— eine Spenderin der Gnaden.

Zweites Hauptstiick. Maria

Maria so darstelltc, wie sie unter dem Titel der unbefleck-ten Empfängniß abgebildet wird, aufrecht stehend und dieHände ausstreckend. Aus ihren Händen fuhren Strahlengleich Lichtströmen von ungemeinem Glanze. In demselbenAugenblicke hörte sie eine Stimme, welche ihr sagte: „DieseStrahlen sind das Sinnbild der Gnaden, welche Maria denMenschen erbittet." — Rund um das Bild herum las siefolgende Anrufung in goldenen Buchstaben geschrieben: „OMaria, empfangen ohne Sünde! bitte für uns,die wir unsere Zuflucht zu dir nehmen!" — Ei-nige Augenblicke nachher wendete sich das Bild, und auf derRückseite bemerkte die Schwester den Buchstaben U., ausdessen Mitte sich ein Kreuz emporhob, und darunter die hei-ligen Herzen Jesu und Mariä. Nachdem sie Alles genaubetrachtet hatte, sagte ihr eine Stimme: „Nach diesem Mustermuß eine Medaille geprägt werden, und die Personen, welchedieselbe tragen, nachdem sie kirchlich gesegnet ist, und mitAndacht jenes kurze Gebet sprechen, werden sich eines beson-der» Schutzes der Mutter Gottes zu erfreuen haben." —Diese Erscheinung ist ein lautes Zeugniß für die unendlichvielen Gnaden, die uns durch Maria zufließen. Aber es istdich nicht bloß eine Erscheinung, ein Bild geblieben, es istauch zur Wirklichkeit geworden. Tausende, die diese wunder-bare Medaille mit kindlichem Vertrauen und mit heiligerVerehrung gegen die unbefleckte Empfänglich Mariä getragenhaben, ärnteten bereits beseligende Früchte ihres kindlich from-men Sinnes; sie haben es erfahren, daß aus den HändenMariä Allen, die ihr mit Zuversicht nahen, überreicheGnaden zuströmen.

Fr. Da Maria uns so gerne Gnaden mittheilt,was folgt daraus für uns?

Antw. Es folgt hieraus für uns, daß wir Mariarecht oft und andächtig um die Gnaden bitten sollen, dieuns zu unserm Heile nothwendig sind; der Gerechte sollbitten um Vermehrung der heiligmachenden Gnade, undder Sünder um Wiedererlangung der verlornen Gnade.

Belehrung. Auch hiezu fordert uns wiederum derheilige Thomas von Aquin auf, indem er schreibt:„Nimm deine Zuflucht zur Gnadenmutter Maria!Durch sie kannst du, o Christ! in allen Gefahren von allenNebeln befreit werden, und durch die Fürbitte dieser glor-reichen Jungfrau das Heil erlangen; denn sie ist jener ge-heimnißvolle Thurm David's (sich das nebenstehende Bild!)wovon tausend Schilde herabhangen, das ist, sichere Heils-mittel in allen Gefahren. Du kannst auch bei allen gutenHandlungen Beistand und Hilfe von ihr erhalten; denn siesagt: „In mir ist die Hoffnung des Lebens und der Tugend."— Besonders aber soll der Sünder zur Gnaden mutt erMaria seine Zuflucht nehmen, damit er durch sie die ver-lorne Gnade wieder erlangen möge.

Beispiel und Anwendung. Ein großer Sünder kameinst zum heiligen Bernhard und klagte ihm mit Weh-muth die Größe und die furchtbare Unzahl seiner Sünden.„Es ist unmöglich," rief der reuige Sünder unter bitten:Thränen aus, „daß ich je mehr Verzeihung, je mehr Gnadebei Gott finden kann!" —- Voll heiligen Mitleids entgegneteihm der heilige Lehrer: „Nicht doch, mein Sohn! zu ver-zweifeln hast du keine Ursache; denn siehe! wenn du auchfürchtest, bei Gott keine Gnade mehr zu finden, so hoffedoch, daß du sie bei Maria finden werdest! Sie heißt janicht umsonst die „Gnadenvolle"; Gottes Engel selbsthat sie so getauft." Nach diesen Worten nahm er die hei-lige Schrift und schlug die Stelle bei Lukas auf, wo derEngel Gabriel zu Maria spricht: „Fürchte dich nicht;denn du hast Gnade gefunden." — „Verstehst du wohl dieseWorte, mein Sohn!" fuhr alsdann der heilige Vater wei-ter fort, „Maria hat Gnade gefunden?" Wie so? Hat sicdenn je einmal die Gnade verloren, daß sie dieselbe wiederfinden mußte? Gott bewahre! Man kann aber auch finden,was Andere verloren haben. Siehe nun, mein sündiges Herz!du bist es, der durch die Sünde die Gnade Gottes verlorenhat; Maria hat deine verlorene Gnade gefunden. Wohlandenn! zaudere nicht, verzage nicht! Mach' dich auf und eilehin zur Gottesmutter; falle ihr zu Füßen und sprich zu ihr:„Mutter der göttlichen Gnaden! ach, sieh' an wich Armen!Ich habe die göttliche Gnade verloren, und du hast sie ge-funden. Mutter! Mutter! gib mir die verlorene Gnadewieder; erwirke mir die Aussöhnung mit deinem göttlichenSohne und sei fernerhin mein Schutz und meine Stütze, daßich nicht abermals so leichtsinnig sündige und falle und nicht