Druckschrift 
Christkatholisches Haus- u. Familienbuch in Wort u. Bild
Entstehung
Seite
277
Einzelbild herunterladen
 

Am Feierabende des 29. April.

ihn die Vorsehungnach Ravenna ge-führt hatte, geschahes, daß ein Christ,mit Namen Ur-siein, des christ-lichen Glaubenswegen zum Todevernrtheilt wurde;doch wähnte maneine Zeitlang, erwürde abfallen, sostark war der Ein-druck, den derAnblick der Qua-len auf ihn gemachthatte. Vitalis,bestürzt über dieGefahr seineschristlichen Mit-bruders, sah dieselbstihmdrohendeMarternichtmehr,sondern eilte dem-selben entgegen,und ermahnte ihn dringend, die Gelegenheit nicht zuverscherzen, die ihm eine unsterbliche Krone erwerbenwerde. Ursicin ermannet sich wieder, und empfängtgroßmüthig den Todesstreich. Vitalis nahm den Leich-nam des Märtyrers weg. und gewährte ihm ehrfurchts-voll die Bestattung. Sobald der Richter, Paulinusmit Namen, den Vorgang vernommen hatte, ertheilteer Befehle, Vitalis gefänglich einzuziehen. Er ward le-bendig verbrannt, nachdem er zuerst die Folter und meh-rere Peinigungsarten bestanden hatte. Der heilige Vi-talis ist der Hauptpatron von Ravenna; daselbst be-wahrt man seine Reliquien in der prächtigen Kirche sei-nes Namens auf, welche 547 von dem Kaiser Justiniangebaut worden, und dermalen einer berühmten Benedik-tinerabtei zugehört.

Gebet. Erhaben und lieblich ist dein heiligerName, Maria! Bitte für uns, daß wir denselben kind-lich fromm verehren und ihn oft und andächtig anrufen,wie der heilige Märtyrer Vitalis, im Leben sowohl,als im Sterben. Amen.

Himdertmidneuiizehntes Lesestück.

Am Feierabende des 29. April.

Die Kraft des heiligen Namens „Maria."

Fr. Woraus läßt sich die hohe Bedeutung des hei-ligen Namens „Maria" noch ferner erkennen?

277

Antw. Aus der besondern, wunderbarenKraft, die in diesem heiligen Namen liegt.

Belehrung. Nach dem Namen Jesus gibt cs, wieRichard von St. Lorenz sagt, keinen Namen, in wel-chem man so mächtige Hilfe fände, und der den Menschenso große Gnaden ertheilt, als der Name Maria. Auf denNamen Maria kann man die Worte des heiligen Bern-hard anwenden: „Wenn man ihn predigt, so ist er einLicht, das, uns erleuchtet; erwägt man ihn in seinem Her-zen, so ist er eine Speise, die uns stärkt; ruft man ihn an,so bringt er uns Hilfe in allen Nöthen." — Selbst dieTeufel haben, wie der ehrwürdige Thomas von Kern-st is schreibt, eine so große Furcht vor der HimmelsköniginMaria, daß, wenn sie nur ihren Namen hören, sie vorDem, der denselben ausspricht, wie vor einem verzehrendenFeuer fliehen. Welch eine Macht liegt im heiligen Na-men Maria! Wir sehen dieß ganz besonders aus nach-folgendem Ereigniß, zu dessen Erinnerung in der Kirche dasMaria-Namensfest eingeführt worden ist. (Siehe hiezudas nachfolgende Bild!)

Erzählung. Der Anlaß zu diesem Feste aber warfolgender: Im Jahre 1683 belagerten die Türken die StadtWien. Ihr Kriegsheer war so zahlreich, und das Glückbegünstigte dermaßen ihre Waffen, daß alle Hoffnung fürdie unglückliche Stadt verloren zu sein schien, und daß Kai-ser Leopold I. seine Hauptstadt verließ und die Flucht er-griff. In dieser dringenden Noth nahm man von allen Sei-ten seine Zuflucht zu Maria. Ueberall rief man den heili-gen Namen Maria mit Ehrfurcht und Begeisterung an.Am Tage ihrer freudigen Geburt aber betete man mit dop-peltem Eifer. Einwohner und Soldaten riefen mit vereinterStimme die Himmelskönigin um ihre Hilfe an, und ihr Ge-bet wurde erhört; denn Plötzlich erblickte man auf fernen Hügelnfliegende Fahnen. Es war der fromme polnische Held So-biesky, der an der Spitze seiner Polen anrückte. Das Kriegs-heer war gering; aber die Frömmigkeit des Führers und der Sol-daten hatte ihm den Schutz des Allerhöchsten gewonnen. Am12. September wohnte Sobiesky einer heiligen Messe,in welcher er selbst dienen wollte, knieend und mit über dieBrust gekreuzten Händen bei und empfing die heilige Com-munion, nach welcher er sich und alle seine Soldaten feier-lich unter den Schutz Mariä empfahl und den apostolischenSegen erhielt. Darauf durchlief er alle Reihen und schrie:„Lasset uns nun muthig vorangehen; denn wirsind unter dem Schutze der Mutter unsers Got-tes; lasset uns zum Kriegsgeschrei den heili-gen Namen Maria wählen!" Bald erblickte man dasLager der Ungläubigen, vor deren unzähligen Menge unddonnerndem Geschütze die Polen unwillkürlich zurückbebtenund bekannten, daß sie nur vom Himmel den Sieg hoffenkönnen. Das Treffen begann; aber der Anfall der Christen